Dienstag, 14. Oktober 2008

Die FN über die Geschehnisse vom Samstagabend in der Bar 'Elvis et moi'

"Racheakt einer antifaschistischen Gruppe?

Am Samstag um 20.20 Uhr drang eine Gruppe von rund 30 vermummten und schwarz gekleideten Personen in die Bar «Elvis et moi» an der Murtengasse in Freiburg ein und verwüstete sie mit Schlag- und Baseballstöcken. Die Täter konnten fliehen und werden gesucht.

Arthur zurkinden, Kesseva Packiry, Aurélie Lebreau/La Liberté

13 Personen befanden sich im Moment des Überfalls in der Bar. Sie waren daran, die letzten Vorbereitungen für ein privates Konzert der Band «Camerata Mediolanense», organisiert vom Verein «Soleil noir», zu treffen. Es ging alles sehr schnell. Die Täter, die Schweizerdeutsch sprachen, verwüsteten alles, was ihnen in die Quere kam, vor allem auch die Instrumente. Die Personen in der Bar griffen sie jedoch nicht an. Beim Verlassen des Lokals warfen sie eine Tränengas-Rauch-Petarde ins Lokal.

Polizist leicht verletzt

Als die Täter flüchten wollten, traf eine Polizeipatrouille ein. Die Angreifer sprayten sogleich Tränengas in die Belüftung des Polizeiautos. Die Patrouille setzte ihrerseits Pfefferspray ein und konnte einen Angreifer festnehmen. Als dies die andern Täter sahen, griffen sie die Polizei erneut an. Es gelang ihnen dabei, ihren Kameraden zu befreien, bevor sie die Flucht ergriffen. Dabei sahen sich die Polizisten auch gezwungen, ihre Waffen zu ziehen, ohne aber einen Schuss abzugeben, dies zum eigenen Schutz. Bei der handgreiflichen Auseinandersetzung wurde ein Polizist an der Hand leicht verletzt.

Züge angehalten

Die Angreifer, die von der Wallriss-Strasse herkamen, ergriffen die Flucht via Pierre-Aeby- und Steinhauergässchen, wo sie Stöcke und Kleider hinterliessen, in Richtung Lausannegasse. Aufgrund dieser Ereignisse erliess die Polizei sofort einige Massnahmen. So wurde die Murtengasse gesperrt. Und die Züge ab Freiburg wurden bis 21 Uhr angehalten, bis eine Kontrolle aufgestellt werden konnte. Der Untersuchungsrichter Marc Bugnon hat eine Untersuchung wegen Aufstand, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Gewaltanwendung und Drohung gegen Polizisten eingeleitet. Rund 30 Polizisten wurden in der Folge aufgeboten, doch konnte niemand festgenommen werden. Der Sachschaden in der Bar «Elvis et moi» beläuft sich auf mehrere Zehntausend Franken.

Wer steckt dahinter?

Laut Polizei lassen die ersten Untersuchungen den Schluss zu, dass es sich bei der Täterschaft vermutlich um Anhänger der linksextremen Punk-Szene handelt. «Die Polizei zieht aber die These vor, dass es um eine Abrechnung zwischen den Tätern und des Vereins ‹Soleil noir› ging und glaubt nicht, dass es sich um einen ideologischen Kampf zwischen Anhängern von links- und rechtsextremen Gruppen gehandelt hat», schreibt die Polizei, wundert sich aber, wie minutiös die Aktion vorbereitet war.

Konzert rechtsextremer Band verhindert

Am späteren Sonntagnachmittag erhielten die FN ein Mail, das mit «Antifaschistische Aktion, Kommando nazifreie Subkultur», unterzeichnet war. «Konzert der rechtsextremen Band Camerata Mediolanense verhindert», betitelten die Antifaschisten ihre Mitteilung. «Mit einer direkten Aktion haben wir am Samstag einen Auftritt der rechtsextremen Dark-Wave-Band ‹Camerata Mediolanense› in Freiburg verhindert. Die Aktion richtete sich gezielt gegen die Musikinstrumente der ‹Kameradschaft Mailand› und gegen die Infrastruktur, die der Club ‹Elvis et moi› den Veranstaltern von ‹Soleil noir› zur Verfügung stellte. Vor unserem Abzug zündeten wir im mittlerweile gut durchlüfteten Club eine Tränengas-Rauch-Petarde.

Personen wurden bewusst nicht angegriffen oder verletzt. Einzig, als uns Polizisten mit Pfefferspray am Abzug hindern wollten und versuchten, einen Genossen zu verhaften, setzten wir unsererseits Pfefferspray ein, um die Polizei zurückzudrängen», hielten sie weiter fest und gaben sich in der Folge überzeugt, dass die Band Camerata Mediolanense zur braun-schwarzen Dark-Wave-Szene gehört. «In ihren Songs und ihrem Artwork verdichten die Akteure der rechten schwarzen Szene Metaphern und Mythen aus dem Spektrum der Konservativen Revolution und des Italienischen Faschismus», schreiben sie und fahren fort: «Es ist uns egal, welcher Subkultur sich Neonazis und Rechtsextreme zugehörig fühlen und wie sie ihre Propaganda verbreiten wollen. Wir werden sie immer und überall bekämpfen.»"

"«Elvis et moi»: 100 Gäste zum Konzert erwartet

Die Bar «Elvis et moi» hatte am Samstag ab 21 Uhr rund 100 Gäste für das Konzert von «Camerata Mediolanense» erwartet. «Ich glaubte, sie wollten uns töten», schildert Lars Kophal, Mitglied der Organisatoren, das Geschehen. Die 13 Personen brachten sich in Sicherheit, wie es gerade ging.

«Sie haben alles zerstört. Warum nur?», erklärt Valentine Jaquier, Besitzerin des Lokals. «Ich mache keine Politik, und mein Lokal ist weder der extremen Linken noch der extremen Rechten gewidmet», fährt sie fort. «Wir machen Musik, die der Barockoper nahe kommt, mit Folkrhythmus und martialisch. Das kann zweideutig sein und provozieren. Aber bei uns steht die Musik im Vordergrund», erklären die Bandmitglieder Daniela und Helena, die extra von Mailand hergereist waren. az"

Quelle Freiburger Nachrichten, 13. Oktober 2008

'Soleil Noir' schreibt auf ihrer offenbar inzwischen eingestellten Site:

"The Camerata Mediolanense concert has been cancelled because of an assault by a group of 30-40 armed and masked "black blocs" extremists. They have destroyed the club and instruments during the soundcheck. We're sorry and paralized. Obviously these brutes were completly ignorant of the Italian band activity, who play in fact cultured and neoclassic music, whitout any politycal intent!
These supposedly left-wing extremist terrorists proved to be unbelievably violent and dangerous and we hope, but doubt, police will eventually do something against them. This is unberable, we never saw such a high level of free violence, ever!

Thank you to the people that supported us that painful night, even if we couldn't offer them the concert.
We will use the money of the advanced entries to cover the damages and costs, we thank you for your understanding.

S.N.TEAM

SITE CLOSED"

Nun, so sehr antifaschistischer Widerstand und antifaschistische Aufklärungsarbeit sicherlich wichtig und unbestritten sind, so wenig kann ich in diesem Falle das äusserst militante Vorgehen der Antifa unterstützen. Nicht nur wurde mit dem 'Elvis et moi' eine nette Bar demoliert, sondern die Antifa masste sich auch an, als Polizist, Richter und Vollstrecker (nicht, dass ich die bürgerlichen Institutionen zur Durchsetzung von Law and Order in jedem Fall als das anzustrebende Ideal ansehen würde) in einem zu agieren und in absoluter Deutungshoheit über die Kunstfreiheit von einer vermutlich fragwürdigen ethnopluralistischen Neofolk-Musikgruppe (wenn überhaupt, denn offenbar war die Band kaum politisch, so heisst es denn auch zum Beispiel von den "Grufties gegen Rechts: Haltung gegenüber CM": "Zwar können wir in der wunderschönen Musik von Camerata Mediolanense keine faschistischen Aussagen feststellen, aber mit einer Band, die mit einer Nazi-Organisation kollaboriert und deren Anhänger öffentlich zu ihren Konzerten einlädt, möchten wir nichts zu tun haben." Dabei handelt es sich offenbar um ein Interview für Blood&Honour, das diese Band, die ich niemals hören möchte, jedoch zurückgezogen habe, nachdem sie erfahren hätten, wem sie ein Interview gegeben haben (offenbar sei es bei Blood&Honour Usus, öfters mal unter falschem Namen aufzutreten, um an Interviews zu gelangen) zu urteilen.

Dass man mit (überzeugten) Nazis nicht disktutieren kann, ist klar (gegebenenfalls darf man ihnen auch mal auf's Maul hauen). Jedoch wäre der Beweis noch zu erbringen, dass es sich bei dieser Band aus Milan um Faschisten und/oder Nationalsozialisten handeln soll. Dass eine Musikgruppe - die vermutlich zwar widerlich ist, jedoch weder eine Gefahr für die öffentliche Ordnung, noch offenbar kaum faschistisch zu nennen ist - und deren Fans mit fragwürdiger Symbolik ("grossdeutscher Ästhetik") kokettieren, ist nun leider ein weit verbreitetes Ärgernis innerhalb der subkulturellen Szenen, wo unter anderem die (linke) Punk-Szene bisweilen mit ähnlich schlechtem Geschmack, zweideutigen Zeichen und Symbolen sich abzugrenzen versucht. Die Kulturstalinisten der Antifa würden eventuell besser einmal vor und innerhalb einem einem ihrer Hauptzentren, dem rechtsfreien Raum der Berner Reitschule, kehren bzw. sich dezidiert für die wenigen zulässigen Akte tätigen Antifaschismus - der US-geführten Befreiung des Irak von Saddam Husseins faschistoidem Terror-Regime und der nun sich im Gange befindlichen Implementierung einer demokratisch-freiheitlichen Ordnung sowie der legitimen israelischen (Militär-)Aktionen zur Wahrung der Sicherheit der israelischen Bürger vor antisemitischem Vernichtungswillen - aussprechen. Aber dass das Antifaschismus ist, verstehen die bauchlinken Antifas wohl kaum.

Eines nämlich ist gewiss: Gesinnungsfundamentaler Furor führt letztlich, auch wenn sich die 'Aktionen' gegen 'Sachen' und nicht gegen 'Menschen' richten, in die homogen gegliederte antimodernistische negative Kollektivität. Und dies kann und darf nicht das Ziel einer wie auch immer gearteten antifaschistischen Arbeit sein.

Kommentare:

Tom hat gesagt…

Hallo Antagonist

Danke für Deinen sehr guten Kommentar unten. Bis anhin hatte ich wirklich eine gewisse Sympathie für die ganze Antifa, sie schien mir irgendwie nötig. Dass daraus nun aber ein selbstgerechter Haufen Extremisten geworden ist, find ich gelinde gesagt untragbar.

Ich könnte verstehen, wenn sie an irgendeine Nazi Veranstaltung pilgern würden um sie ein wenig aufzumischen, aber das traut man sich dann doch nicht. Da macht man lieber eine Kommandoaktion gegen unbescholtene Konzertbesucher und zerstört eine tolle Bar.

So stellen sie sich doch genau auf eine Stufe mit denen, die sie doch eigentlich so gern bekämpfen wollen.

Wenn die Jungs Eier hätten, würden diese sich wenigstens beim Wiederaufbau des Elvis beteiligen.

Ihre Sympathien bei mir haben diese naiven Hobbyantifaschisten jedenfall komplett verloren.

Lepra Alméra hat gesagt…

Der Beitrag wird in der neuen, dritten Auflage des Looking For Europe-Buches empfohlen.

Grüsse STW