Mittwoch, 5. November 2008

gratulation, barack obama

george walker bush, neben thomas jefferson, abraham lincoln, ronald reagan und george bush senior, einer der besten us-präsidenten ever, der in einer grossen antifaschistischen tradition wie jener von franklin delano roosevelt und dwight eisenhower steht, wird also abgelöst vom anti-bush barack obama - einem relativen neuling, der bislang vor allem dadurch in erscheinung trat, dass er bereits 2 memoiren geschrieben hat, kaum je ein gesetz im senat durchgebracht hat und aussenpolitisch in bezug auf die einschätzung der sicherheitslage im irak und die anpassung der strategie ('surge') vermutlich falsch lag. der netzwerkeffekt hat bei dieser wahl stark gespielt (also wenn der "Nutzen an einem Standard oder Netzwerk wächst, wenn dessen Nutzerzahl größer wird. Durch diesen erhöhten Nutzen wird das Netzwerk für noch mehr Personen interessant, die Nutzerzahl wächst weiter an, und somit wiederum der Nutzen für alle. Dies nennt man positive Rückkopplung. Wird eine kritische Masse erreicht, so steigt die Nutzerzahl exponentiell an." Zitat: Wikipedia). die an religiöse züge erinnernde selbstbeweihräucherung der obama-ultras, die seine angeborene lebenszufälligkeit, afro-american zu sein, politisch als relevant zu betrachten und dies als wie auch immer geartetes signal von einem 'neuen' amerika zu deuten scheinen (insbesondere in europa, wo man aufklärungsresistent die übertreibung vom angeblich rassistischen ku-klux-clan-amerika, dessen ausgeburt bush sei, reproduziert. natürlich ist es ein schöner moment, dass nun ein afro-american gewählt worden ist. oder wie es john mccain in seiner staatsmännischen rede formulierte: "This is an historic election, and I recognize the special significance it has for African-Americans and for the special pride that must be theirs tonight."), wird also mit dem einzug obamas ins oval office in amt und würden übergehen und ab dem 20. januar 2009 erfahrbar gemacht. spätestens ab diesem zeitpunkt wird sodann die politik im zentrum stehen und also kritisch zu begleiten sein.

also: gratulation, barack obama - der 44. präsident der usa!

Dienstag, 4. November 2008

Bis auf einen, noch ein paar klasse Artikel, bevor es dann in 24 Stunden wirklich drufflos geht

Zum Schluss der aktuellen Textproduktion, bevor es dann in zirka 24 Stunden richtig losgeht, noch einmal ein paar Artikel. Als erstes verweise ich auf einen Artikel aus dem 'Tages-Anzeiger', der anderen, schlechteren Tageszeitung aus Zürich..(der Artikel macht vermutlich auch deutlich, warum dies so ist..vgl. auch die grenzdebilen antiamerikanischen Leser-Kommentare).

Als zweites ein Artikel aus dem 'Tagesspiegel' sowie als krönender Abschluss ein (für einmal wiederum lesenswerter) Artikel von 'Spiegel Online', der in etwa noch einmal das Pluralismusprinzip der USA erklärt, wie dies bereits der auch in diesem Blog verlinkte 'Lizas-Welt'-Text 'E pluribus unum' getan hat. Die 2 letzten Artikel sind auch eher, so würde ich meinen, pro Barack Obama - eine Wahl mit der ich, trotz allen politischen Meinungsverschiedenheiten, vermutlich auch (gut) leben könnte.

versuch, einige unklarheiten und widersprüche auszuräumen

keine angst, der autor führt trotz der jüngst veröffentlichten textwüsten, deren erkenntnisgewinn wohl eher marginal ist, ein nach wie vor intaktes sozialleben..

es soll hier nun versucht werden, einige unklarheiten und widersprüche, die sich in den beiträgen "Obama als Chance? McCain als Konstante?" und "Warum ich um des Distinktionsgewinnes willen nichts einzuwenden hätte, würde McCain und nicht Obama als nächster US-Präsident gewählt" eröffnet haben, auszuräumen bzw. zu überwinden.

worum es mir im zweiten beitrag ging, um dies zu präzisieren und um allfälligen unklarheiten vorzubeugen, war nicht eine zentrale inhaltliche auseinandersetzung der jeweiligen positionen (da ja die reproduktion der kapitalistischen verhältnisse und die konsolidierung der bürgerlichen demokratie sowohl unter einem präsidenten obama als auch einem präsidenten mccain fortgesetzt würde), als vielmehr um die kontextuellen, mithin strukturellen produktionsbedingungen der meinungsmache. es ging mir also eher um eine kritik der ideologie, die in der meinungsäusserungsfreiheit vieler europäer in bezug auf die usa zum ausdruck kommt. ich bezeichnete also die mehrheit der 90% - vielleicht tatsächlich etwas gar pauschalisierend - als (latente) antiamerikaner. gerne würde ich mit den leuten dieses "repräsentativen" querschnitts diskutieren, um zu verstehen, wie sie die feldzüge der allierten gegen den irak einstuften, wie sie die beziehung der usa zu israel beurteilten und was sie vom iran und dessen nuklearprogramm hielten. ich bin mir sicher - das ist freilich eine unbeweisbare aussage -, dass die mehrheit der 90% tatsächlich antiamerikanische ressentiments formulieren würde. genau deswegen kann ich nicht mit diesen 90% übereinstimmen und würde deshalb nicht nur, aber auch um des distinktionsgewinnes willen mccain obama vorziehen.

widersprüche ortete ich u.a. v.a. hier:

"Das Bekenntnis zum Multilateralismus, so löblich es auch sein mag, überzeugt kaum, da Europa, der traditionelle Partner der USA, sich nach wie vor den USA gegenüber als moralisch überlegen betrachtet. Darüber hinaus sind kaum gemeinsame Strategien zwischen den zwei Blöcken erkennbar. Eine gemeinsame Vision fehlt."

da scheint mir - als eine von vielen - eine ungereimtheit zu bestehen. was ich damit zum ausdruck bringen wollte, ist vermutlich folgendes:

obama wird von den europäern als der heilsbringer betrachtet, der die europäischen partner (vor allem de und fra) nach 8 jahren bush und schroff zurückgewiesener liebe (jedoch ursprünglich europäischerseits) die transatlantische einheit wieder herstellen soll. würde obama gewählt, dann bestünde tatsächlich die chance, dass er seine vision, die usa wieder in den multilateralismus, in die weltgemeinschaft zurückzuführen, umsetzten kann, da europa genau darauf hofft. insofern ist "Darüber hinaus sind kaum gemeinsame Strategien zwischen den zwei Blöcken erkennbar. Eine gemeinsame Vision fehlt" nicht zutreffend.

nun wäre ein geeintes transatlantisches bündnis sehr wünschenswert, gibt es doch noch zahlreiche problemherde auf der welt. ein starker verbund aus europäern und amerikanern könnte eventuell tatsächlich probleme lösen. was ich mit "kaum gemeinsamen strategien" gemeint habe, dürfte jedoch dabei eventuell zum pièce de résistance werden: die europäer wollen konflikte lieber mit diplomatie und auf dem verhandlungsweg lösen - zweifellos eine anzustrebende strategie.

doch manchmal ist der verhandlungsweg die falsche strategie und es braucht auch eine machtpolitik. im falle des iran bin ich nicht sicher, wie die 2 blöcke vorgehen möchten, um das problem zu lösen. mit dem möglichen einzug obamas ins oval office wäre es denkbar, dass die us-aussenpolitik 'europäischer' würde.

appeasement-politik, wie ich sie so oft den europäern im umgang mit dem mullah-regime vorwerfe, muss nicht in jedem fall schlecht sein (im umgang mit dem iran jedenfalls wäre es dennoch sinnvoller, eine härtere gangart einzulegen, denke ich), wie folgender artikel illustriert, der im jahre 2002 in der 'neuen zürcher zeitung' erschienen ist (der artikel ist hochintelligent, er analysiert aus spieltheoretischer sicht die entscheide, ob krieg oder frieden im umgang mit feinden das adäquate mittel sei und es zeigt sich, dass appeasement unter gewissen bedingungen durchaus auch angebracht sein kann. der "hochintelligente" artikel findet sich im pdf-file ganz zuunterst sodann auf deutsch eingescannt).

kurzum: sollten sich europa und die usa wieder besser verstehen, wäre dies natürlich zu begrüssen, tragisch wäre es jedoch, wenn diese annäherung auf 'kosten' von menschen ginge, die bestrebt sind, bspw. im nahen und mittleren osten (irak, afghanistan) eine demokratische ordnung aufzubauen und für ihre menschenrechte zu kämpfen, indem etwa obama, sollte er präsident werden, auf drängen von europa allzu früh die truppen aus dem irak abziehen würde, oder die, wie im falle georgiens (und teilweise auch der ukraine), nach dem westen ausschau halten, obwohl dies russland nicht passt.

Montag, 3. November 2008

Die sich in moralischer Überlegenheit zu den USA wähnende EU - angeführt von Old Europe - stellt bereits Forderungen an den nächsten US-Präsidenten

Old Europe erhebt Forderungen gegenüber dem neuen, morgen zu bestimmenden US-Präsidenten. Das überrascht nun keinesfalls. Einen solchen Katalog an Forderungen der Friedensmächte aus Old Europe an die USA konnte man wohl angesichts fortschreitender europäischer und natürlich immer streng 'multilateraler' Bemühungen, drängende Konflikte auf dem Verhandlungsweg zu lösen (Iran, Georgien / Südossetien / Abchasien, Demokratische Republik Kongo, sogar mit 'moderaten' Taliban soll in Afghanistan verhandelt werden) erwarten. Es bleibt zu hoffen, dass der nächste Präsident der USA - ob Obama oder Mc Cain - trotz eines möglichst erstrebenswerten guten Verhältnisses mit Old Europe versucht, sich in den entscheidenden Fragen, wie zum Beispiel im Streit um das iranische Nuklearprogramm, nicht allzu sehr auf seinen Partner vom alten Kontinenten zu verlassen. Eine gesunde Portion Unilateralismus, der nötigenfalls auch Beschlüsse der ohnehin an Glaubwürdigkeit eingebüssten Vereinten Nationen ignoriert, wird sich die USA hoffentlich bewahren, um auf der Welt den (sicherlich auch zu kritisierenden) bürgerlichen Demokratisierungsprozess und die Verbreitung von Freiheit und Menschenrechte zu fördern. Würde sich darüber hinaus die USA an die Forderungen der EU halten, dann wäre Israel wohl dem antisemitischen Vernichtungswillen der Mullahs noch stärker als ohnehin ausgeliefert.

Sonntag, 2. November 2008

Als kurzes Intermezzo: Eric Hassli, Fussballgott!

Dass im 'Blick' nicht nur merkbefreite Berichte (vgl. auch den bereits heute Nachmittag verlinkten Artikel) abgedruckt werden, dafür garantiert der Sport-Teil - wenngleich Sportjournalismus natürlich auch viel besser gemacht werden kann als im 'Blick'. So wie es zum Beispiel die auch in dieser Hinsicht qualitativ hochstehende 'Neue Zürcher Zeitung' zu machen pflegt. Nun jedoch ist ausgerechnet Thomas Renggli, einer der Sportjournalisten, die ich bei der 'NZZ' immer sehr gerne gelesen habe, zum Ringier-Verlag gewechselt und schreibt nun für den 'Blick' (hier ist sein letzter, scharfsinniger Artikel in der NZZ zu finden). In seinem heutigen Artikel im 'Sonntagsblick' widmet er sich Eric Hassli - einer der 3 Torgaranten des momentan wieder sehr stark und vor allem auch sehr attraktiv aufspielenden FC Zürich.

Heute im Spiel gegen YB schoss er wieder 2 Tore. Der zweite Treffer kommt sogar als mögliches 'Tor des Jahres' in Frage. Aber schaut doch selbst (beim SF-Mediaplayer scheint es wohl nicht möglich zu sein, direkt in den Videobeitrag zu verlinken, daher bitte selber auf den Abspielpfeil klicken).

Was bleibt einem da noch zu sagen? Eric Hassli, Fussballgott!

Warum ich um des Distinktionsgewinnes willen nichts einzuwenden hätte, würde McCain und nicht Obama als nächster US-Präsident gewählt

Dieser Tage wird viel über Barack Obama gesprochen, sei es am linksliberalen Stammtisch qua Zeitungs-Mainstream (stellvertretend dafür ist das Boulevard-Blatt 'Sonntagsblick', das als Sonderfall betrachtet werden muss, da es nicht etwa ein Revolverblatt ist, wie man meinen sollte, sondern ein populistisches linksliberales Organ), sei es in der TV-Landschaft (bestes Beispiel das gebührenfinanzierte Schweizer Fernsehen) oder sei es aber auch auf der Strasse, wo sich die Schweizer - im Einklang mit der Weltbevölkerung - in überwältigendem Mehr für den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Barack Obama, aussprechen (vgl. hierzu folgende "repräsentative Umfrage", die in der heutigen Ausgabe des Sonntagsblicks erschienen ist. Darin heisst es unter anderem: "Wie überall in Europa wird das Mega-Spektakel der US-Wahlen auch in der Schweiz als eher peinlich, oft gar als Demokratie-unwürdig empfunden. Doch vom Kandidaten Obama und seinen Versprechungen können die Menschen der Alten Welt nicht genug kriegen. Nach acht Jahren Bush-Regentschaft hängen sie an den Lippen des Demokraten, als sei er der lang erwartete Messias." Der latente Antiamerikanismus wird bei einem solch dämmlichen Abschnitt wieder einmal manifest. Weiter heisst es: "Nur die Georgier wünschen sich John McCain (72). Kein Wunder: Der Republikaner versprach während der Kaukasuskrise im Sommer, sie notfalls auch militärisch gegen Russland zu verteidigen." Was fällt den Georgiern denn ein, John McCain zu unterstützen? Die sollen gefälligst auch Barack Obama als "Messias" anhimmeln. Immer nur mit Gewalt Konflikte lösen, geht doch nicht. Obama würde die Russen sicherlich auf elegante Weise überzeugen können, sich doch bitte nicht mehr in georgische Angelegenheiten einzumischen).

Warum ist das so? Warum wollen "neun von zehn Schweizern" Barack Obama als nächsten Präsidenten? Das ist erklärungsbedürftig.

Es hängt vermutlich damit zusammen, dass das überwältigende, an die dazumals üblichen Zustimmungsraten von Saddam Hussein oder Fidel Castro erinnernde Mehr, das eher einer "Demokratie unwürdig" ist, eine Conditio sine qua non, also eine Bedingung, ohne die nicht, der Schweizer (und der Weltbevölkerung) im Verhältnis mit dem derzeitigen Präsidenten der USA, George Bush, ist. Seine Popularitätsraten sind, wenn sie überhaupt bestehen, sehr tief. Er wird für sehr viel Unheil auf der Welt verantwortlich gemacht, sei es für den Klimawandel, den er nicht energisch genug bekämpfe, sei es für den Terror, den der 'War on Terror' zusätzlich provoziert habe, sei es für die Wirtschaftskrise, die er als Gesicht des 'Neoliberalismus' wesentlich mitverursacht habe, sei es für die zunehmende soziale Polarisierung in den USA selbst, die er mit seiner 'unsozialen' Fiksalpolitik verursacht habe, sei es für den zunehmenden Antiamerikanismus, den seine Aussenpolitik verursache etc. pp. Zusammengefasst: George Bush sei ein unfähiger Präsident, der dem Ansehen der USA weltweit massiv geschadet habe und der mit seiner imperialen, auf die Erdölressourcen fokussierten Aussenpolitik und seinen kriegerischen Handlungen, polemisch zugespitzt, schlimmer sein müsse als Adolf Hitler.

Nun ist nicht zu leugnen, dass George Bush sicherlich einige Fehler gemacht hat, dass seine Agenda die Reproduktion der kapitalistischen Verhältnisse strukturell mehr gefestigt hat als gelockert. Dass er auch im von mir unterstützten und als notwendig erachteten 'War on Terror' taktische, aber auch strategische Fehler beging. Kurzum: George Bush (und mit ihm die ganze Administration) war nicht davor gefeit, Fehler zu begehen.

Unter der Bedingung, dass man hofft, der nächste Präsident der USA möge einige Fehler von Bush nicht wiederholen, ist ein Bedürfnis nach Wandel wohl nicht zu verübeln. Dies allein jedoch dürfte vermutlich nicht erklären, wieso 90% der Schweizer Barack Obama als Präsidenten wollen, vor allem auch vor dem Hintergrund nicht, dass auch Barack Obama wiederum Fehler machen wird, sollte er Präsident werden. Es muss also tiefer liegende Ursachen haben, mithin strukturelle Gründe, warum 90% - von denen, wie ich zu behaupten wage, vermutlich viele überhaupt keine Ahnung von US-Politik haben - einen unerfahrenen Politiker wie Barack Obama einem ausgewiesen erfahrenen Politiker wie John McCain vorziehen wollen.

Der Verdacht liegt nahe, dass es den 90% nicht wirklich um die US-Politik an sich geht, denn es ist plausibel, dass sich viele dieser 90% schnell wieder von ihrer Unterstützung für Barack Obama lossagen würden, sollte dieser, entgegen seiner Friedens- und Multilateralismusrhetorik im Wahlkampf, möglicherweise auch die Rolle als Commander-in-Chief wahrnehmen müssen und einen militärischen Angriff befehlen. Die Begeisterung für Barack Obama wäre also vermutlich keineswegs nachhaltig, bei erstbester Gelegenheit würde man Obama möglicherweise wieder als einen 'Ami' diskreditieren, der auch nicht besser sei als alle andere 'Ami'-Politiker. Dass solche Anhänger gefährlich sind, ist unbestreitbar. Denn genau sie neigen auch dazu, keinen langfristigen Kurs zu fahren, sondern immerzu zwischen den einem vorteilhaft scheinenden Positionen zu lavieren und bei Gelegenheit beispielsweise auch Geschäfte mit dem Mullah-Regime im Iran zu dulden.

Viele dieser 90% sind also vermutlich lediglich in ihrer Obamamania vereint, weil sie erstens befürchten, John Mc Cain würde die von ihnen verhasste Politik George Bushs weiterführen, weil sie zweitens momentan aus opportunen, der eigenen Friedenslogik entsprechenden Gründen und der eigenen Reputation zuliebe Barack Obama unterstützen und weil sie drittens, sozusagen als Synthese des bisher Vorgebrachten, notorische antiamerikanische Ressentiments haben.

Hierzu ein Zitat von Max Horkheimer aus dem Jahre 1967:

"Amerika hat, aus welchen Motiven auch immer, Europa von völliger Versklavung gerettet. Die Antwort ist heute überall, nicht bloß in Deutschland, eine weit verbreitete und tief gehende Amerika-Feindlichkeit. Über deren Ursache hat man sich schon viel den Kopf zerbrochen. Ressentiment, Neid, aber auch Fehler, die von der amerikanischen Regierung und ihren Bürgern gemacht werden, spielen eine Rolle. Überraschend ist der Umstand, dass überall dort, wo der Anti-Amerikanismus sich findet, auch der Antisemitismus sich breit macht. Die durch den Niedergang der Kultur bedingte allgemeine Malaise sucht nach einem Schuldigen, und aus den oben angedeuteten und anderen Gründen findet sie die Amerikaner und in Amerika selbst wieder die Juden, die angeblich Amerika beherrschen. Die Demagogen von rechts aber, bis zu einem gewissen Grad auch die von links, haben längst erkannt, dass sich hier ein fruchtbares Feld findet, und nützen die Lage in zunehmendem Maße aus."

Das Zitat verdeutlicht also, dass der Antiamerikanismus nicht erst seit der Präsidentschaft Bushs virulent ist, dass er im Gegenteil ein schon viel älteres Ressentiment ist, das zudem strukturelle Ähnlichkeiten zum Antisemitismus aufweist. Wenn also zur Zeit die USA einen international schlechten Ruf hat, so ist dies nicht allein darauf zurückzuführen, was die USA macht - oder auch unterlässt -, es ist dies vor allem Ausdruck davon, dass die 90% in der Schweiz (und mit ihnen auch ein grosser Teil der Weltbevölkerung) die Position der USA in der Welt als einzig verbliebene Supermacht nicht aufgrund von durchaus zu kritisierenden systemischen Unzulänglichkeiten bemängeln, sondern einzig und allein aufgrund einer "ablehnenden Haltung gegenüber der Politik und Kultur der USA" (also Antiamerikanismus als "den Vereinigten Staaten von Amerika, ihrer Bevölkerung, ihren Prinzipien oder ihrer Politik entgegengestellt oder feindlich gesinnt."). (Quelle: Wikipedia)

Aus diesen (und anderen, in diesem Beitrag nicht aufgeführten) Gründen würde ich, könnte ich wählen, meine Stimme John McCain geben. Ich würde mich damit - anders als die vielen Gegner der Moderne, ausgedrückt durch den Liberalismus amerikanischer Prägung -, nicht opportunistisch in die Mitte der Gesellschaft hineinbewegen, die zu grossen Teilen aus eigennützlichen Motiven heraus Barack Obama unterstützt und die bei erstbester Gelegenheit Barack Obama und die USA - und mit ihnen ihr Verbündeter Israel - zu grossen Teilen verlassen würden.

Samstag, 1. November 2008

Obama als Chance? McCain als Konstante?

Am 4. November wird also in den USA ein neuer Präsident gewählt. Den Umfragen gemäss müsste der nächste Präsident Obama heissen. Die Meinungsforschung kann sich jedoch auch irren, so dass möglicherweise ein knapperer Ausgang der Wahlen resultiert als angenommen.

Obama als Chance?

Würde Obama gewählt, dann wäre dies bemerkenswert aus zwei Gründen:

- Noch selten einmal wurde ein Politiker in den USA mit einem geringeren Leistungsausweis und weniger Erfahrung in das höchste Staatsamt gewählt. So hat er bspw. kaum Spuren hinterlassen im Senat.

- Obama hätte es also dann geschafft, seine konstant am linken Parteiflügel der Demokraten angesiedelte Politik konsensfähig zu machen. Welche realpolitischen Auswirkungen dies hernach hätte, bliebe abzuwarten.

In Bezug auf die Aussenpolitik bin ich den Visionen Obamas kritisch gesinnt. Das Bekenntnis zum Multilateralismus, so löblich es auch sein mag, überzeugt kaum, da Europa, der traditionelle Partner der USA, sich nach wie vor den USA gegenüber als moralisch überlegen betrachtet. Darüber hinaus sind kaum gemeinsame Strategien zwischen den zwei Blöcken erkennbar. Eine gemeinsame Vision fehlt. Der Irak-Krieg zur Befreiung der faschistischen Diktatur Saddam Husseins hat Spuren im transatlantischen Verhältnis hinterlassen. Dafür, dass man zuweilen für die Werte der (europäischen) Aufklärung, also z.B. für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, auch Gewalt anwenden muss, wird Europa, zumindest 'Old Europe', kaum Hand bieten. Oder wie es die linke Wochenzeitung 'Jungle World' in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt:

"Bush propagierte zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs noch einmal jenen bürgerlichen Idealismus, der die Bourgeoisie einst zu einer revolutionären Kraft gemacht hatte. Die Antwort aus dem linken Mainstream auf seine Demokratisierungsrhetorik war nicht etwa eine Kritik der bür­ger­lichen Demokratie, sondern eine Mischung aus Ignoranz und Kulturalismus." (Quelle: Jungle World)

Dass der "bürgerliche Idealismus" nicht der Weisheit letzter Schluss ist, setze ich bei den vorhin als "Werte der (europäischen) Aufklärung" apostrophierten Konzepte, für die man zuweilen Gewalt anwenden müsse, als bekannt voraus. Doch der "bürgerliche Idealismus" ist zumindest fortschrittlicher und emanzipatorischer als der Umma-Sozialismus der islamischen Fundamentalisten oder der 'Sozialismus des 21. Jahrhunderts' der südamerkanischen Caudillos und ist daher im antagonistischen Widerstreit der politischen Ideen unbedingt zu unterstützen.

McCain als Konstante?

Der republikanische Gegenkandidat, McCain, wäre hingegen vermutlich eine berechenbarere Wahl. In vielen Jahren Senatsarbeit hat McCain seine weitausgreifenden Spuren in der amerikanischen Politik hinterlassen. Auch hat er vielfach bewiesen, dass er zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit fähig ist und dass er innerhalb der vielfach wertekonservativen republikanischen Partei für liberale Ideen empfänglich ist. Er scheute also auch die Konfrontation in der eigenen Partei nicht.

Sein Pech ist, dass Bush von Experten, Medien und den Bürgern zur Zeit als der schlechteste Präsident der USA aller Zeiten eingestuft wird. McCain versucht sich daher von Bush abzugrenzen, was ihm offenbar nur schlecht gelingt. Dabei wird jedoch gefliessentlich übersehen, dass es zumindest nicht auszuschliessen ist, dass die 'Geschichte' Bush rückblickend in einigen Punkten Recht geben könnte, so z.B. mit seinem Ideal des demokratischen Nahen Osten.

Das Bedürfnis nach Wandel, so inhaltsleer die Parole auch sein mag, wird vermutlich obsiegen. Dabei wären gerade die aussenpolitischen Strategien Bushs und vor allem der Neocons, die McCain vermutlich besser weiterführen würde als Obama, ein durchaus zu bewahrendes Erbe.

Montag, 27. Oktober 2008

Moshe Zuckermann oder wie man sich die eigene schmierige 'Israelkritik' absegnen lässt

Über das Top-Blog 'Achse des Guten' bin ich auf ein Interview zwischen 'Neues Deutschland', einer schmierigen 'sozialistischen' Tageszeitung, welche der Partei 'Die Linke' sehr nahe steht, mit Moshe Zuckermann aufmerksam geworden. Moshe Zuckermann, der linke Soziologe und Professor aus Tel Aviv, wird, ähnlich wie Evelyne Hecht-Galinski, insbesondere gerne zur Absegnung des eigenen als 'Israelkritik' getarnten Antizionismus und/oder Antisemitimus interviewt und in Publikationen zitiert. Man hat dann für die eigenen Ressentiments gegenüber Israel einen prima (israelischen) Kronzeugen und die eigene 'Kritik' an Israel kann also - wenn sie selbst von einem israelischen Staatsbürger geteilt wird - kaum als antizionistisch und/oder antisemitisch gelten. Ein schöner manipulativer Trick, der jedoch bei genauerem Hinsehen nicht funktioniert.

So zitiere ich nun einige Antworten von Zuckermann aus dem Interview und versehe sie mit polemischen Zuspitzungen:

"Spätestens nach Auschwitz wurde der Staat Israel zu einer historischen Notwendigkeit. Heute, mehr denn je, würde ich bezweifeln, dass mit der Gründung des Judenstaates Juden sicherer leben können. Aber nach 1945 war die Gründung eines jüdischen Staates an der Zeit."

Der erste Satz ist der einzige Satz des ganzen Interviews, der stimmt. Ab dem zweiten Satz verliert er jedoch bereits eine historische Kontextualisierung aus dem Auge. Als ob nicht bereits seit der Gründung des "Judenstaates", also seit damals, wo er gemäss Zuckermann eine "historische Notwendigkeit" gewesen sei, die Sicherheit von Juden in Israel sehr bedroht gewesen war. Noch in der Gründungsnacht wurde Israel von Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien der Krieg erklärt. Dies weist darauf hin, dass es den israelischen Nachbarn und den Palästinensern eventuell nicht um eine friedliche Koexistenz geht, sondern um ein arabisches Land, das vom Mittelmeer bis zum Jordan reicht.

"Doch die Frage stellt sich mittlerweile anders: Wo geriet die Kritik am Antizionismus qua Antisemitismus-Vorwurf zu einem eigenständigen Fetisch? Anti-Antisemitismus ist dadurch zu einem eigenständigen Ideologem geworden."

Soso..

"Wenn man bedenkt, dass Henryk M. Broder den Ludwig-Börne-Preis bekommt, dann schäme ich mich als Jude. Wenn er und andere Juden seines Schlags die Repräsentanten des deutschen Judentums sind, dann möchte ich mit diesem Judentum nichts zu tun haben. »Israel, mein Israel«, schreit Ralf Giordano und gebärdet sich wie ein waschechter »Zionist-aus-der-Ferne« mit rassistisch-islamophobem Einschlag. Soll dieser Zyniker Broder"

Soso..

"Ich stelle heraus, worum es ihr geht. Es geht denen nicht um Israel, sondern um zutiefst deutsche Befindlichkeiten. Diese Leute, Israel-solidarische »Antideutsche«, werden mir nie verzeihen, dass ich der Sohn von Auschwitz-Überlebenden bin. Sie werden mir auch nicht verzeihen, dass ich Offizier im israelischen Militär war. Sie kommen nicht damit zurecht, dass sie Nachkommen eines Tätervolkes sind; ein Umstand, dem sie mit ihrem »antideutschen« Getue meinen, Rechnung tragen zu können."

Ah, da sind sie wieder, die Antideutschen. Mit denen versteht sich Moshe Zuckermann offensichtlich nicht so gut. Vielleicht sollte Moshe Zuckermann halt auch einfach mal 'antideutsche Textproduktion' lesen, um wirklich verstehen zu können, dass es den Antideutschen nicht um Moshe Zuckermanns Idendität als Sohn von Auschwitz-Überlebenden oder um seine Tätigkeit als Offizier geht. Grigat hat es im verlinkten Text schon zutreffend beschrieben: "All diesen Vorwürfen ist eines gemeinsam: Sie gehen an keiner Stelle auf die Textproduktion der antideutschen Ideologiekritik ein. Entweder kommen sie wie bei Zuckermann völlig ohne Literaturhinweise aus, oder sie beziehen sich auf einzelne Sätze in Flugblättern und Veranstaltungsankündigungen, ignorieren aber die programmatischen Texte, die sich in mehreren Buchpublikationen und rund 15 Jahrgängen von Zeitschriften finden. Die Autoren würden sich auch schwer tun, Belege für ihre wortgewaltigen und mitunter wüsten Anschuldigungen zu finden." Die Antideutschen und mit ihnen auch ich wundern sich jedoch eher über die abenteuerlichen Aussagen wie die folgenden eines Moshe Zuckermann..

"Die einzige realpolitische Möglichkeit ist eine Nuklearisierung, die dann nach und nach zu einer Entmilitarisierung führen muss. Sicherlich gibt es ein Sicherheitsproblem für Israel, das nicht nur von Iran, sondern auch nach wie vor von der Hisbollah ausgeht. Aber wachsam sind die Militärs hier ohnehin. Zudem sei festgestellt: Es ist nun mal die fortgesetzte Okkupation, Landnahme und Besiedlung, die den Terror provoziert."

Genau solche Aussagen verdeutlichen, dass die traditionelle Linke keine Kombattantin im selben kommunistischen Projekt, das früher oder später die staaten- und klassenlose Gesellschaft der freien Individuen herbeiführen sollte, das jedoch zuerst - mehr als alles andere - die Sicherheit Israels und der Juden weltweit garantieren muss, sein kann. Der Vorwurf, die Israelis seien für den Terror, den sie als souveräner Staat mit legitimen Sicherheitsbedürfnissen erleiden müssen, selber verantwortlich, dass sie ihn sogar "provozieren" würden, erinnert stark an das antijudaistische Klischee vom Juden, der an allem schuld sei ('Der Jud’ ist schuld'). Natürlich ist es einer Zwei-Staaten-Lösung nicht gerade förderlich, wenn trotz angedachten Übereinkünften israelische Siedler zuweilen Land besiedeln, auf dass sie de facto kein Anrecht hätten. Als Befürworter einer Zwei-Staaten-Lösung wäre diesbezüglich eine pragmatischere Siedlungspolitik sicherlich nicht unangebracht. Aber es ist doch sehr zu bezweifeln, dass die "Okkupation, Landnahme und Besiedlung" für den Terror der Mörderbanden verantwortlich seien. Darüber hinaus würde eine Räumung der Siedlungen auf palästinensischem Gebiet wahrscheinlich höchstens die europäischen Friedensfreunde besänftigen. Jedenfalls hat die Räumung des Gaza-Streifens im Jahre 2005 gezeigt, dass der Terror dann nicht aufgehört hatte, im Gegenteil: die Angriffe auf israelisches Gebiet haben seither sogar eher zugenommen. Und seither ist mit der Hamas auch eine radikal-islamistische Organisation nach einem blutigen Putsch an die Macht gekommen, deren programmatische Absicht es ist, Israel von der Landkarte verschwinden zu lassen. Kooperationswillen in Bezug auf die Zwei-Staaten-Lösung palästinensischerseits - selbst wenn die Hamas nicht die erste Verhandlungspartei darstellt - sieht jedenfalls anders aus. Wenn also der Abzug aus dem Gaza-Streifen etwas befördert hat, dann vor allem die Erkenntnis, dass "Okkupation, Landnahme und Besiedlung" nicht den Terror "provozieren", sondern dass der Hass auf Israel, der antisemitische Vernichtungswillen der Mörderbanden, sich aus seiner eigenen Ideologie heraus artikuliert und auch in die Tat umgesetzt wird.

Aber das ficht einen wie Moshe Zuckermann vermutlich kaum an.

'Giacobbo / Müller' ist mehr als lame..

So sehr ich Giaccobos Format zu Spätprogramm-Zeiten schätzte, so sehr löst bei mir das neue Konzept Unbehagen aus. Ich habe zwar, glaube ich, noch jede Sendung geschaut, doch so wirklich gut war bislang keine. Bezeichnenderweise waren die, äh, 'unterhaltsamsten' Sendungen ja die, wo SVP-Politiker zu Gast waren (bspw. diejenige mit dem Walliser Pissoir-P(r)o(l)eten Freysinger). Was z.B. hat denn bitte schön Egerszegi letzte Woche in der Sendung verloren? Selten so eine peinliche humorfreie Politikerin gesehen..

Das Gelabber über die Finanzkrise von Giaccobo und Müller wird leider auch nicht besser - eher im Gegenteil: ihr humorbefreiter Populismus wird immer peinlicher. Peter Tate hingegen ist tatsächlich eine positive Entdeckung, wortkarg, aber dann mit englischem Humor immer die richtige Pointe. Positiv ist ferner, dass Giacobbo trotz uninspierter Witze (gut, Dr. Klöti ist nach wie vor okay) immer noch relativ schlagfertig ist. Das macht die Gespräche mit den oftmals blassen Gästen zuweilen ein bisschen unterhaltsam.

Alles in allem wäre eventuell eine Selbstbeschränkung - ähnlich wie zu 'Viktor's Spätprogramm'-Zeiten - auf vielleicht eine Sendung pro Monat nicht die schlechteste Idee. Dies gäbe den beiden Zeit und Raum, um ihre Erlebniswelt pointierter und mit mehr Wortwitz satirisch auszudrücken. Eine kreative Sammlungs- und Schaffenspause, um dann konzentrierter und fokussierter einmal pro Monat am TV zu erscheinen. Denn: Nicht immer bedeudet hohe Quantität auch hohe Qualität (was man vermutlich von diesem Blog auch behaupten könnte..).