Sonntag, 21. September 2008

Arena vom 19. September 2008 zum Thema Finanzkrise

Ja, am Freitag verzichtete ich wegen der Sendung 'Arena' unter anderem auf das Heimspiel von Freiburg gegen Davos und auf einen normalen Freitagabend in einer beschaulichen Kleinstadt im Mittelland. Das Thema der Sendung musste also brisant sein. War es dies tatsächlich? Es wurde über die gegenwärtige Krise in der Finanzbranche diskutiert. Gegenstand der Diskussion war also das partielle Scheitern der Marktwirtschaft, mithin des Systems Kapitalismus per se. Nach good old Marx führe ja der Kapitalismus aufgrund seiner inneren und äusseren Widersprüche quasi als geschichtsphilosophische Notwendigkeit zu immer grösseren Krisen, die sodann die sozialistische Gesellschaft als Konsequenz habe. Der Kapitalismus werde vom Sozialismus abgelöst und ferner in der kommunistischen Ordnung, wo unter anderem die Dialektik zwischen der Akkumlation von Kapital in den Händen der Kapitalisten einerseits und der Abschöpfung des Mehrwerts der vom Proletariat geleisteten Arbeit als privaten Profit andererseits, aufgehoben.

Marx war zweifellos ein guter Diagnostiker der Ökononie und des Teilsystems Arbeit (abgesehen von den nachweislichen Unzulänglichkeiten seiner Klassentheorie und seiner teilweise religiös zu nennenden Geschichtsphilosophie). Die im ersten Abschnitt beschriebenen (schon auch ein wenig rasch angelesenen vulgär)marxistischen Zusammenhänge weisen Parallelen zur heutigen Finanzmarktkrise auf, in welcher der amerikanische Staat mit einer beispiellosen Auffangaktion für faule Kredite in den (ausgetrockneten) Markt eingreifen will. Bei Marktwirtschafts-Zweiflern zirkuliert vermehrt wieder die Parole "Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste". Mit diesem leicht von den Lippen gehendem Slogan haben sie sogar einmal Recht, jedenfalls in der kurzen Frist, da der amerikanische Steuerzahler letztlich diese gigantische Intervention des Staates finanzieren wird. In der langen Frist, und das interssiert die Ökonomen vielfach auch, ist es durchaus denkbar, dass die praktisch keinen Wert mehr aufweisenden Papiere, die der amerikanische Staat übernehmen will, in Zukunft sogar mit einem Gewinn auf einem allfälligen wieder stabilen Markt veräussert werden können. Momentan jedoch dürften diese Verwerfungen auch auf soziale Bereiche negative Auswirkungen haben. Den Menschen in den USA und vermutlich weltweit dürfte aufgrund der Verwerfungen, dessen Ursachen Gerhard Schwarz, seineszeichen (neo)liberaler Leitartikler des (neo)liberalen Wirtschaftsteils der Neuen Zürcher Zeitung, in seinem empfehlenswerten Leitartikel "Unschöpferische Zerstörung" vom Samstag diagnostizierte ("Ausgangspunkt war der amerikanische Häusermarkt, an dem sich wegen viel zu grosszügiger Geldversorgung durch das Fed, staatlicher Wohnbauförderung und höchst problematischer Refinanzierung eine Eiterblase bildete, die früher oder später platzen musste. Genährt wurde diese Blase durch eine ganze Reihe menschlicher Eigenschaften, durch Gier, Masslosigkeit, Anmassung, Eitelkeit, Übertreibung, Unvernunft und Inkompetenz, nicht nur an der Wall Street. Behörden und Regierung, die Medien und das breite Publikum krankten alle am Gleichen."), ein rauherer Wind ins Gesicht blasen. Das ist zu kritisieren, sollte das soziale System der Ökonomie doch in erster Linie dem Wohl des Menschen verpflichtet sein. Der Kapitalismus mehr als andere Wirtschaftssysteme bisher hat dieses eherne Gebot trotz gelegentlich schweren systemimmanenten Krisen und trotz der täglichen schulterzuckenden Gleichgültigkeit über das Leid von Millionen von Menschen eher berücksichtigt. Auch angesichts des bisherigen staatlichen Eingreifens dürfte in der (nach wie vor erzliberalen) USA keine sozialistische Revolution bevorstehen..(als den Antideutschen wohlgesinnter Libertärer könnte ich dem Projekt eines globalen Kommunismus dennoch viel abgewinnen, sofern er nicht wie in den bisherigen Experimenten wie etwa in der Sowjetunion oder in der VR China in einer autoritären Prägung zum Ausdruck kam und kommt, der darüber hinaus kaum die Emanzipation des Individuums aus naturwüchsigen Lebensformen und Kollektiven zum Ziel hatte und hat. Bis dahin jedoch denke ich, dass die befreienden Qualitäten des Kapitalismus das kleinere Übel sind).

Das gefühlte Unbehagen im globalisierten Spätkapitalismus ist zweifellos weit verbreitet. Die geplante staatliche Auffangaktion für faule Kredite, die vermutlich das kleinere Übel ist als die Alternative – nichts zu tun –, verschärft die Wahrnehmung eines als (partiell) gescheitert diagnostizierten Kapitalismus wohl zusätzlich. So war es keine grosse Überraschung, dass in der Polit-Sendung 'Arena' vom Freitag über die globale Finanzmarktkrise gesprochen wurde. Es diskutierten:

Marcel Rohner, CEO UBS
Pierin Vincenz, CEO Raiffeisenbanken
Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbund
Markus Gisler, Wirtschaftsexperte

Vom oftmals spöttischen Ton und der Disharmonien in der Gesprächsrunde der 'Arena'-Sendungen während der 90er-Jahre (Blocher) war man weit entfernt; es herrschte, mit Ausnahme Daniel Lamparts, Einhelligkeit über die Bewertung der Turbulenzen der letzten Tage. Auch waren in der zweiten Reihe kaum SVP-Hardliner auszumachen, die sich mit unverhohlenem Spott und politisch inkorretker Häme über ihre politischen Gegner lustig machen. Ich meine, dies ist trotz des ausgebliebenen jeweiligen unfreiwilligen Amüsements gut so. Denn es diente einer sachlichen Diskussion jenseits von Stammtisch-Parolen ungemein. Am stichhaltigsten argumentierte meines Erachtens Marcel Rohner (*vgl. untenstehendes Porträt aus der Weltwoche), der CEO der weithin kritisierten UBS (dem Institut also, dem die Kleinräumigkeit der Schweiz und der diesbezüglich vielfach auszumachenden Réduit-Mentalität schon immer ein Ärger war und das deshalb schon immer die nationalen Ketten sprengte und international agierte). Er wirkte trotz der Hiobsbotschaften der vergangen Zeit relativ gefasst und gab Auskunft über die Probleme - und noch wichtiger: die Problemlösungen - der UBS. Als Daniel Lampart, der Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, ins populistische Fahrwasser abzudriften drohte, indem er bemerkte, die Anlageberater hätten ein originäres Interesse daran, ihren Kunden "strukturierte Produkte", die man "früher" noch "derivative" Finanzierungsinstrumente genannt habe, zu verkaufen, da sie sich ja angesichts der "Provisionen" nicht ins eigene Fleisch schneiden wollten und deshalb angeblich den Kunden nicht über die Risiken aufklärten, entgegnete Marcel Rohner, dieser Erklärungsansatz für das Scheitern des Finanzsystems sei "einfach zu einfach". Man könne die Ursachen nicht lediglich auf Gemeinplätze runterbrechen. Als gegen den Schluss der Sendung hin noch eine Grüne Nationalrätin aus dem Kanton Zürich in der zweiten Reihe das Wort ergriff und es mit ihr sprach, wurde sie von der Runde unisono, bis auf Daniel Lampart, auf ihre Unkenntnisse hingewiesen..

*Porträt

Kunst der Beziehung

Der neue UBS-Chef Rohner liest grosse Philosophen. Er ist intellektuell, aber bodennah.

Rohner hat fast seine ganze Karriere bei der UBS respektive beim Bankverein absolviert und verfügt nach heutigen Massstäben über wenig Auslanderfahrung. Er gilt als brillanter Denker mit schneller Auffassungsgabe. Nach der Kantonsschule in Aarau studierte Rohner Volkswirtschaft an der Universität Zürich. Erste berufliche Erfahrungen sammelte Rohner während seines Studiums bei der Aarauer Firma Ölpool. Begleitend zu seiner Dissertation bewährte er sich ein knappes Jahr halbtags als Öltrader. Als der Bankverein ihm ein Angebot unterbreitete, sagte ihm der Chef der Ölpool AG: «Marcel, du musst das Angebot annehmen, wir sind zu klein für einen wie dich.» So begann seine Bankkarriere.

Bis heute eilt ihm der Ruf voraus, dass er mit dem Zug von seinem Wohnort in Aarau nach Zürich ins Büro pendelt. Das entspricht schon lange nicht mehr der Wirklichkeit. Allein aus zeitlichen Gründen könne er sich das nicht mehr erlauben.Er wolle auch nicht auf Schritt und Tritt angesprochen werden.

Dem zweifachen Familienvater Rohner ist es gelungen, eine spürbare Bodenständigkeit zu bewahren, die gut zu seinen Wertvorstellungen passt: «Für mich reichen ethisches Verhalten und Integrität weit darüber hinaus, nicht zu lügen, also ehrlich zu sein», sagt Rohner. «Vielmehr versuche ich, auch die Realität über mich selber so gut wie möglich zu erfahren und zu verstehen. Das ist der weitere Sinn von Integrität – eine nahe Sicht zu haben, wer man wirklich ist.» Selten hört man solche Reflexionen in der Branche. Rohner sagt: «Eigenverantwortliches Verhalten ist für mich enorm wichtig. Ich treffe meine Entscheide immer auf dieser Basis und versuche nie, andere dafür verantwortlich zu machen.» Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch seine Vorliebe für klassisch liberale Denker wie Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises oder den Rechtsphilosophen John Rawls und den katholischen Denker Michael Novak.

Die Faszination für das Bankgeschäft bezieht Rohner daraus, dass er den Umgang mit Geld als eine Interaktion zwischen zwei Menschen betrachtet. Die Beziehung zwischen dem Kunden und dem Berater sei entscheidend. Wie diese Beziehung mit Inhalten, also mit Investitionsentscheiden und Finanzprodukten, gefüllt werde, sei das Spannende. «Diese Kombination von zwischenmenschlichen Aspekten und enorm viel Analytik, das macht für mich das Bankgeschäft so reizvoll», sagt er.

Rohner – Synonym für eine makellose Laufbahn in den Olymp der Schweizer Bankenwelt? Möglicherweise ist sein Werdegang etwas zu schnell verlaufen, geben Freunde zu bedenken. Als 1998 nach dem Debakel mit dem Hedge-Fund LTCM eine Reihe von UBS-Leuten weggespült wurden, konnte Rohner avancieren. Auch später profitierte er von unerwarteten Personalrochaden. Vielleicht wäre ihm noch ein Jahr gut bekommen, um sich auf den Job an der Spitze der UBS vorbereiten zu können. Doch nun wurde er ins kalte Wasser geworfen.

Trotz dem Aussehen eines Jungakademikers sollte man Rohner keinesfalls unterschätzen. Einmal, vor einer Volkswirtschaftsprüfung an der Universität, verpasste er den Bus, weil er den Prüfungstermin falsch eingeschrieben hatte. In der Eile und Aufregung fuhr ihn seine Mutter mit dem Auto nach Zürich. Er wollte zwar selber fahren, aber die Mutter liess es nicht zu. Er schien ihr viel zu aufgedreht. Rohner kam mit erheblicher Verspätung an die Prüfung – aber verliess den Saal eine Stunde früher als alle andern. «Ich bekam eine 4, erinnert sich ein Studienfreund, Marcel eine 6.»

Kommentar meinerseits: Ein cleverer Typ also, dieser Marcel Rohner..

Edit: Der unvermeidliche Frank A. Meyer im Intellektuellen-Blatt Sonntags-Blick über "Banken, Räuberbanken und Bankräuber"... wo ist bloss der Wohlstandzuwachs ("Den Wohlstandszuwachs allein aus den bisherigen Innovationen an den Finanzmärkten schätzte Scholes auf 30 Bio. $." - NZZ, 12.09.2008, Seite 29) geblieben, Frank A. Meyer? Hauptsache, 'raffendes Kapital' kritisieren und es auch noch an Charaktermasken aufhängen, ne? Der soll besser über sein anderes Thema schreiben, in dem er sich wenigstens ein bisschen auskennt: über die Gefahr des radikalen Islamismus und die unbedingte Israel-Solidarität..

Kommentare:

Claudio hat gesagt…

Zweifelsohne ein guter Artikel. Auch der verlinkte NZZ-Leitartikel ist gut. Man muss allerdings hinzufügen, dass der Finanzmarkt doch auch ein bisschen mehr in die Schuld zu nehmen wäre. Das lässt er zwar durchscheinen, jedoch wird der Staat verhältnisweise meiner Meinung nach zu stark kritisiert. Dennoch bejahe ich die Aussagen, die Gerhard Schwarz, der wahrscheinlich einer der kompetentesten Wirtschaftsjournalisten in der Schweiz ist, treffend formuliert hat. Bei den Kommentaren macht sich allerdings Unverständnis meinerseits breit.
Zurück zu deinem Artikel. Sprachlich einmal mehr top. Was allerdings zu kritisieren wäre, ist der in der Weltwoche veröffentlichte Artikel. Ich finde ihn ein bisschen unpassend. Zwar ist es gut sich ein Bild von den vermeintlichen Urheber dieser Krise zu machen, jedoch glorifiziert ihn die Weltwoche regelrecht. Zudem finde ich auch das (den?) Edit deplaciert. Zweifellos ist es von Vorteil die Finanzkrise aus einem anderen Gesichtspunkt zu betrachten, aber das Interview und der Interviewte sind einfach schlecht, und der Verweis auf den radikalen Islamismus und den Palästinakonflikt - zwei bestimmt wichtige Themen - ist gänzlich unpassend.

Antagonist hat gesagt…

Der Leitartikel von Schwarz ist wirklich gut. Allerdings bin ich der Auffassung, dass Schwarz den Finanzmarkt durchaus kritisiert - nur eben nicht mit den populistischen Gedankenlosigkeiten anderer Kommentierenden. Schwarz schreibt etwa davon, dass "diese Blase (...) genährt wurde durch eine ganze Reihe menschlicher Eigenschaften, durch Gier, Masslosigkeit, Anmassung, Eitelkeit, Übertreibung, Unvernunft und Inkompetenz, nicht nur an der Wall Street. Behörden und Regierung, die Medien und das breite Publikum krankten alle am Gleichen." In diesen Einschätzungen kommt wohl auch, selbst wenn es nicht klar formuliert wurde, eine Kritik an den "traditions- und lange Zeit erfolgreichen Finanzinstituten" zum Ausdruck. Zweifellos wurde auch aus einem spekulativen Motiv heraus in den Investment- und in anderen Banken Transaktionen getätigt. Das ist zu bedauern (aber halt auch nicht zu verhindern), wurden doch so, wie man jetzt beobachten kann, grosse Werte abgeschöpft und nicht etwa geschöpft, wie es, um möglichst viel Reichtum für alle zu generieren, sein sollte. Die strukturellen Schwächen dieser Schadensereignisse sind ferner genauer zu beleuchten. Schliesslich hat der Staat 1933 mit den Glass-Steagall Act (http://de.wikipedia.org/wiki/Glass-Steagall_Act) die gesetzlichen regulatorischen Grundlagen für die bis vor kurzem gültige Trennung zwischen Geschäftsbanken und Investmentbanken geschaffen. Mit diesem Trennbankensystem sollte der damalige Risikoappetit der Geschäftsbanken, die sich mit Kundengeldern refinanzierten, eingedämmt werden, da man ihr spekulatives Agieren (nota bene mit Kundengeldern) als eine der Ursachen für den 'Schwarzen Freitag', also dem Kurseinbruch von 1929, ausmachte. Das (risikoreichere) Anlageschäft sollte also reinen Investmentbanken überlassen werden, die nicht auf Kundengelder zurückgreifen konnten. Diese Trennung ist nun ohnehin obsolet geworden, da das Geschäftsmodell der reinen Investmentbanken nicht mehr markttauglich ist. Unabhängig vom regulatorischen staatlichen Eingriffen haben sich viele Investmentbanker in dieser Krise ganz einfach vertan.

Zu Deiner Kritik: Mir scheint, dass die 'Weltwoche' den Rohner mit dem Porträt nicht wirklich glorifiziert hat. Es vermittelt lediglich einen Eindruck des neuen CEO von UBS. Man könnte ihn wohl sicherlich in einem negativeren Licht darstellen, aber dafür verweise ich gerne auf all die anderen Mainstream-Medien..

Das Edit dient dazu, wie Du geschrieben hast, um die Finanzkrise erstens aus einem anderen Blickwinkel darzustellen. Der Interviewte bzw. das von ihm Gesagte ist tatsächlich panne; deshalb verweise ich ja auch zweitens auf das Interview, um auf die groteske Kapitalismuskritik für Arme hinzuweisen, die normalerweise von Akteuren von diesem (politischen) Spektrum formuliert wird.

Der Verweis auf den radikalen Islamismus und auf die Israelsolidarität hat seinen Grund darin, dass Frank A. Meyer in seinen Einschätzungen über diese beiden Themen oftmals nicht grundfalsch daneben liegt. Der Verweis ist aber auch vor allem vor dem Hintergrund, dass er in seiner Kolumne im 'Sonntags-Blick' quasi nur über 2 Themen schreibt (Kapitalismuskritik für Arme sowie Warnung vor den faschistoiden Tendenzen im radikalen Islamismus) zu verstehen. Im einen Thema, Kapitalismuskritik, liegt er permanent daneben - im anderen Thema, Gefahren des radikalen Islamismus und Sensibilität für Israel, liegt er oftmals richtig..er sollte also besser das eine Thema überhaupt weglassen und sich stattdessen auf das andere Thema konzentrieren..

Claudio hat gesagt…

Eigentlich sind wir uns über den Leitartikel Gerhard Schwarz' ja einig. Anzeichen einen Spekulationsblase sind ja bereits auszumachen gewesen. Allerdings haben die Wenigsten diese ausgemacht. Deswegen kann man den Banken eigentlich nicht wirklich einen Vorwurf machen, denn es waren Fehler, die so ziemlich Alle begangen haben. Ich muss aber meine obere Aussage ein bisscehn revidieren. Jetzt da ich genauer darüber nachdenke, sollte Schwarz die Banken aus oben beschriebenen Gründen nicht stärker kritisieren.

Mit der Weltwoche tue ich mich in letzter Zeit öfters schwer. Einige Artikel sind nach wie vor ausgezeichnet, andere sind mir aber zu radikal. Ich habe sie aber bereits seit längerem nicht mehr ganz durchgelesen, da ich sie in Zürich nicht abonniert habe. Ich bin allerdings trotzdem der Meinung, dass Rohner zu stark ins rechte Licht gerückt wird. Er ist zweifelsohne ein Guter, war aber die Anekdote mit dem verpassten Bus/Tram wirklich von Nöten?

Als nciht Blick-Leser muss ich gestehen, dass ich noch nie von Frank A. Meyer gehört habe, weshalb mir deine zum Nahostkonflikt gemachte Verbindung komisch schien.

Antagonist hat gesagt…

Klar, über Schwarz' Analyse der Finanzmarktkrise, aus einer eher multikausalen Position formuliert, sind wir uns einig. Ich sehe das auch so wie Du ("Anzeichen" einer "Spekulationsblase sind ja bereits auszumachen gewesen. Allerdings haben die Wenigsten diese ausgemacht."). Ich denke, dass der Kapitalismus "ein gesellschaftliches Gesamtsystem ist, das Einfluss auf alle Lebensbereiche hat und stetig von der Gesellschaft reproduziert wird." (Zitat von der Wikipedia über die 'Antideutschen'..). Vor diesem Hintergrund wird die schiere Ausblendung der Risiken und der naive Glauben an ein stetiges Wachstum (der Rendite, der Konsumausgaben etc.) eventuell etwas nachvollziehbarer.

Nun, die Banken bzsw. Finanzintermediäre sind sicherlich mitverantwortlich für die Wertabschöpfung. Hätten sie eine etwas konservativer Kreditvergabe praktiziert, namentlich die Bonität ihrer Schuldner besser überprüft, hätten sich die momentan drastischen Verwerfungen möglicherweise nicht dermassen deutlich Bahn gebrochen. Ein klugeres Risikomanagement täte not.

Die 'Weltwoche' mäandert tatsächlich zwischen teilweise reaktionärer bürgerlicher Gesellschaftspolitik, bedeutungsschwangerem Aufklärertum wider die Mainstream-Medien und notwendiger Kritik an den Nebenwidersprüchen der staatshörigen (Polit)Akteuren. Im anzuzeigenden Artikel, der bereits vor zirka einem Jahr veröffentlicht wurde, kann ich jedoch schlechterdings nach wie vor kaum Anstössiges finden.

Nicht-Blick-Leser? Da verpasst Du aber jeweils teilweise unfreiwillige Komik..(gut, ich lese, wenn überhaupt, auch nur den Sonntags-Blick und auch einzelne Artikel halt online..).

Ich habe heute zum Thema Finanzmarktkrise den Kommentar des 'Tages-Anzeigers' gelesen. Gott, da lobe ich mir die NZZ..beim Tagi gibt's zum Thema lediglich populistische sozialdemokratische Empörungsbewirtschaftung galore..

Und zur Zeit warte ich auf ORF2 (http://tv.orf.at/program/orf2/20081001/436936701/254150/) auf die Ausstrahlung von 'Seinfeld' - und was sehe ich? Den unvermeidlichen Ökonomen und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, der zur Zeit wieder Hochkonjunktur geniesst. Er schwadroniert zusammen mit anderen Kapazitäten, unter anderem einer Attac-Aktivistin, über die "Rolle der Finanzmärkte" und anderen Schwachsinn. Ich kann diese Deppen nicht mehr hören..

Antagonist hat gesagt…

OMG, die 'Ökonomin' Cornelia Staritz von Attac, die gerade in dieser merkwürdigen Sendung auf ORF2 zu Gast ist, ist vollkommen merkbefreit. In ihrem Furor und pseudoradikalen Hass auf den Kapitalismus merkt sie wohl nicht einmal, dass sie absolut antimodernistisch, antiliberal und antikommunistisch (freilich eines Kommunismus antideutscher Prägung) argumentiert. Sie erwähnte auch die 'Tobin-Steuer'; strukturell antisemitisch argumentiert sie also auch noch. Bitte zeigt endlich Seinfeld..

Claudio hat gesagt…

Der gute alte Tagi... Naja. Ich mag ihn ach nicht. Von einer Zeitung erwarte ich mir mehr oder minder neutrale Berichterstattung, was der Tagi meiner Meinung nach definitiv nicht bietet. Jedoch lese ich ihn ab und zu immer wieder, da er jeweils im Tram rumliegt. Als NZZ-Abonnent bin ich mir jedoch an andere Massstäbe gwöhnt.

Der gute alte Stiglitz. Unrecht hat er ja nicht ganz. Aber ja, dazu poste ich am besten nochmals das Interview mit Alex Durrer, dem Chefökonomen der LGT Group, das in der Sendung Impulse, das übrigens zu empfehlen ist, wobei nicht zwingend tiefgehende Kenntnisse des Aktien- und Obligationenmarktes erforderlich sind, auf NZZ-Online veröffentlicht wurde. Ich denke, dass er die Lage in der wir uns befinden/befanden relativ gut beschreibt. In ebendiesem Interview geht er auch noch auf Stiglitz ein. Leider ist das Interview aber bereits veraltet. In der Finanzwelt sind Tage Jahre oder Jahrzente...
http://www.nzz.ch/finanzen/webtv/impulse_1.818067.html?video=1.879457

À propos Blick: Ich informiere mich teilweise auf 20min.ch. Vom Niveau her vergleichbar, allerdings finde ich 20min bedeutend besser. Vielleicht ist es auch nur das Seitendesign, wer weiss.

PS: Wie geht das mit direkt verlinken? Quellcode scheint nicht zu funktionieren...

Antagonist hat gesagt…

"Als NZZ-Abonnent bin ich mir jedoch an andere Massstäbe gwöhnt." - Eine Aussage, die ich teile. Lies bspw. mal Uwe Justus Wenzel und einen Kulturredakteur vom Tagi ... ein markanter Unterschied..wenn ich nicht NZZ-, Weltwoche-, Spex- sowie Horizonte-Abonnent wäre, würde ich wohl auch mehr 20 Minuten lesen. Ich finde ja deren Geschäftsmodell recht interessant. Die Informationen und der Schreibstil, wie sie verbreitet werden, ist jedoch eine andere Geschichte.

Leider habe ich mir das von Dir verlinkte Interview noch nicht angesehen, weil, well, du weisst ja, man kommt halt so umher, tut dieses und jenes, unterlässt etwas anderes..

Die aktuelle Weltwoche hat ja die Finanzkrise zum Schwerpunkt. Leider habe ich noch nichts davon gelesen.

PS: Leider weiss ich auch nicht, wie das mit dem Verlinken im Kommentier-Modus funktionieret.