Montag, 15. Juni 2009
Donnerstag, 11. Juni 2009
Capitalism vs. Socialism of the 21st century
"Venezuela verbietet Coca-Cola Zero - Regierung sorgt sich um Gesundheit der Bevölkerung" (Link) - Man beachte bei diesem Artikel auch die amüsanten Leserkommentare..
Der folgende Artikel bettet den Kampf des rot-braunen Populisten Chávez gegen den Kapitalismus bzw. gegen den Imperialismus in einen grösseren Zusammenhang ein:
"Hugo Chávez gegen das «Imperium» - Coca-Cola Zero als Gefahr für den Sozialismus" (Link)
Die Position dieses Blogs in diesem Kultur-, Wirtschafts- und Politkampf ist wenig überraschend die folgende:

Der folgende Artikel bettet den Kampf des rot-braunen Populisten Chávez gegen den Kapitalismus bzw. gegen den Imperialismus in einen grösseren Zusammenhang ein:
"Hugo Chávez gegen das «Imperium» - Coca-Cola Zero als Gefahr für den Sozialismus" (Link)
Die Position dieses Blogs in diesem Kultur-, Wirtschafts- und Politkampf ist wenig überraschend die folgende:

Mittwoch, 10. Juni 2009
Wirtschaftsethik - eine sinnvolle wissenschaftliche Disziplin?
In der teils hitzig geführten Debatte, ob die Schweiz eine 'Steueroase' sei oder nicht, hat sich auch ein gewisser Ulrich Thielemann, seineszeichen ein deutscher Wirtschaftsethiker an der Universität St. Gallen, zu Wort geäussert. Unter anderem vertrat er an einer öffentlichen Anhörung des deutschen Bundestages zur Bekämpfung der angeblichen Steuerhinterziehung eine kontroverse Position in Bezug auf die schweizerische Steuergesetzgebung. In der Folge wurde er wegen seinen Äusserungen kritisiert. Es hing gar das Damoklesschwert einer möglichen Entlassung über seinem Haupt.
In diesen bewegten Zeiten, in denen in den Leserbriefspalten der Zeitungen und in Diskussionsrunden der Politiker bisweilen ein Wirtschaftskrieg der Hochsteuerkartelle gegenüber steuerattraktiven Staaten und Jurisdiktionen vermutet wurde und wird, verlor auch das Institut für Wirtschaftsethik und mit ihm ebenfalls die Universität St.Gallen (HSG) an Glaubwürdigkeit. Harte Kritiker des Instituts für Wirtschaftsethik stellten gar die Daseinsberechtigung dieser Lehrstätte in Frage, da Moral keine Wissenschaft sei.
Nachfolgend einige Leserbriefe aus der 'Neuen Zürcher Zeitung' zum Thema, um die Stimmung einzufangen:
"Wissenschaftsfreiheit und Klugheit
Zu X Leserbrief über die Auseinandersetzungen um Ulrich Thielemann (NZZ 19. 5. 09) ist festzuhalten, dass die Meinungsäusserungsfreiheit in einem liberalen Staat den gleichen Stellenwert hat wie viele andere Freiheiten, zum Beispiel das Bankkundengeheimnis. Wer freiheitlich denkt, wägt die eine Freiheit nicht gegen die andere auf.
Hingegen kann man nicht tolerieren, dass in einem Wirtschaftskrieg, wie er gegenwärtig herrscht, ein Wissenschafter in der Machtzentrale des politischen Feindes sein Gastland verunglimpft und mit seinen Äusserungen schädigt. Der Kluge würde eine solche Einladung nicht annehmen, sondern seine Meinung eher im Rahmen eines akademischen Kolloquiums zum Besten geben. Hier geht es nicht um Meinungsfreiheit, denn diese hat der Wissenschafter überall, ausser in diesem spezifischen Zeitfenster in den höchsten politischen Gremien des feindlich gesinnten Landes."
"Der Ethik einen Platz
Der Autor C. W. meint, dass Ulrich Thielemann die Freiheit, die er als Wissenschafter benötigt, mit seinen Äusserungen bei einem Bundestags-Hearing nicht missbraucht habe. Ich habe Herrn Thielemann am 31. März im «Talk täglich» von Tele Züri gesehen. Dort benahm er sich nicht wie ein Wissenschafter, sondern wie ein sich ereifernder Prediger, wie man sie aus Amerika kennt, und auf Gegenargumente ging er schon gar nicht ein. Wenn Herr Thielemann ein Wissenschafter wäre, hätte ihm das heutige aufgeheizte Klima Zurückhaltung in seinen Äusserungen nahelegen müssen. Insofern hat er keine Freiheit. Für den Kavalleristen und Indianerjäger Steinbrück ist Herr Thielemann natürlich ein Glücksfall, da er sozusagen als «Maulwurf in Feindesland» agiert.
Weiter stimmt der Vergleich mit dem Professor und Banken-Kritiker Jean Ziegler nicht. Dieser profilierte sich in wirtschaftlich guten Zeiten und wurde wegen verschiedener «Irrtümer» ohnehin nicht ernst genommen. Ein Herr Thielemann scheint mir in der gegenwärtigen Situation um ein Vielfaches problematischer zu sein."
Es gab neben den 2 besorgten Leserbriefen aber auch Stimmen, die den Wissenschafter in Schutz nahmen - namentlich und wenig überraschend aus sozialdemokratischen Kreisen:
"Nach einem Referat zur Bankenkrise fragte mich kürzlich ein älterer Herr aus dem Publikum, wo denn eigentlich in der Schweiz die Ethik noch bleibe. Ich antwortete, dass Ethik in Politik, Medien und Wirtschaft leider verdrängt werde. Mit Freude verwies ich jedoch auf die interessanten Publikationen des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen (HSG) und auf die wichtigen Arbeiten der Ethiker in den beiden Landeskirchen.
Kurz darauf ging das unglaubliche Kesseltreiben gegen Ulrich Thielemann los. Ausgerechnet aus den neoliberalen Kreisen, welche die volle Verantwortung für den heutigen globalen GAU mitzutragen haben. 2003 veröffentlichten Ulrich Thielemann und Professor Peter Ulrich den hervorragenden «Brennpunkt Bankenethik». Hätten unsere Grossbankiers die Erkenntnisse dieser Publikation ernst genommen, so hätten sie nicht beim Staat um Steuermilliarden in noch nicht absehbarem Ausmass betteln müssen.
Darum: Die Schweiz braucht mehr Ethik, insbesondere der Finanzplatz Schweiz. Wehren wir den Anfängen!
Margret Kiener Nellen (Bern)
Nationalrätin, SP"
Als Konklusion eignet sich ein Leserbrief, der die Thematik aus einer grundsätzlichen Perspektive beleuchtet:
"Ethik und Moral
Die Äusserungen des Ethikers Thielemann haben einige Leser der NZZ (16. 4. 09) irritiert. Früher wurden klare Kategorien unterschieden: «Ethik» war Moralphilosophie, Nachdenken über Moral; «Moral» hingegen bezeichnete ein Set geltender Werte und Regeln. Nun lassen einige Vertreter der Ethikzunft die beiden Begriffe zusammenfallen und schaffen damit just ab, wofür der Steuerzahler sie bezahlt: das Nachdenken über Moral.
Ein Leser macht Ulrich Thielemann als Eiferer aus. Und ich habe mich gefragt, ob wir es bei einer Ethik, die Moralphilosophie und Moral nicht mehr auseinanderhält, überhaupt noch mit Wissenschaft zu tun haben. Massen sich nun sogenannte Ethiker in absolutistischer Manier an, die einzig richtige Moral zu haben? Leider wird auch im Sozial- und Rechtsbereich betont, dass, was man tut, nichts mit Moral zu tun habe. Auch hier dient das Schlagwort «Ethik» dazu, professionelle Positions- und Erwerbsinteressen durchzusetzen.
Was, wenn wir zur Unterscheidung von Ethik und Moral zurückkehrten? In der Disziplin «Moralphilosophie» könnte wieder über Moral auf beiden Ebenen nachgedacht werden: Auf der Ebene der Gesellschaften wären die spezifischen Moralitäten zu reflektieren, wie sie sich in der Weltwirtschaft aufgrund der ungleichen Machtverhältnisse und Ressourcen konkretisieren; auf der Ebene der Individuen wäre über die Unterschiede in der personalen Moral nachzudenken, die sich kontextspezifisch ausbilden.
Ein Urteil über Moralität hätte dann die Ressourcen in Rechnung zu stellen, über die eine Gesellschaft verfügt, um das hochzuhalten, was in den global so unterschiedlichen Kontexten jeweils als das Gute gilt. Das Moralisieren hingegen liesse diese Komplikationen in der Aussenwelt unberücksichtigt, weil es nur den Schwarzweisskategorien der eigenen Innenwelt genügen will. Und die Ethik könnte die Frage stellen: Was heisst es für unsere Gesellschaft, wenn sie sich ihre Moralität zunehmend von professionellen und kapitalisierbaren Interessen bestimmen und usurpieren lässt? Werden wir Menschen damit als Privatpersonen aus der Moral entlassen? Das gäbe zwar mehr Arbeit für jene, die sich mit Moralisieren ihr Geld verdienen, dürfte aber immer weniger zum gelingenden Zusammenleben beitragen."
Diese Fragen scheinen mir zuvörderst diskutabel zu sein. Thielemanns Äusserungen jedenfalls erscheinen vor diesem Hintergrund problematisch. Auch sind bei ihm oftmals die Grenzen zwischen Wissenschaft und Wissenschaftsimitation fliessend. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass seine Wissenschaft manchmal sogar mit Ideologie durchsetzt ist. Eine solche Ethik bzw. Moral aber muss sich den Vorwurf gefallen lassen, interessengeleitet zu sein.
Ins eher negative Bild, dass das Institut für Wirtschaftsethik ferner in gewissen Teilen der Öffentlichkeit abgab, fügte sich ein, dass Thielemann ein potentieller Nachfolger vom Lehrstuhlinhaber, Prof. Dr. Peter Ulrich, ist, der erst kürzlich seine Abschiedsvorlesung gehalten hat und also in den Ruhestand treten wird. Für die ausgeschriebene Professur will sich pikanterweise auch Christoph Blocher bewerben.
Entgegen der Linie des Instituts, das vorwiegend über Markt und Moral nachdenkt, möchte Blocher, seineszeichen ein Anhänger von Friedrich August von Hayek (dem dieses Blog wohl gewogen ist), eher die wohlfahrtsfördernden Merkmale des Marktes herauskehren. Er möchte lehren, "wie man ethisch führt." Oder ebenfalls "was die ethische Bedeutung der Gewinnerzielung und des Shareholder-Value" sei.
Nun wäre mir ein Wirtschaftsethiker Blocher, der in Fragen der politischen Ökonomie, bis auf einige Gebiete (z.B. Landwirtschaft), mehrheitlich eine urliberale Haltung vertritt, tatsächlich lieber als ein Wirtschaftsethiker Thielemann, der sich gemäss einem sehr lesenswerten Editorial von Roger Köppel in der 'Weltwoche' mit seiner Arbeit eher dazu eignen würde, sich für einen "krisenfesten Kommandoposten in der staatlich gelenkten Wirtschaft" zu empfehlen.
Um die Frage zu diskutieren, ob die Wirtschaftsethik, wie sie etwa von Ulrich Thielemann verstanden wird, eine sinnvolle wissenschaftliche Disziplin sei oder nicht, soll, bevor ein der Wirtschaftsethik wohl gewogener und zugleich auch sehr interessanter Beitrag im Fokus steht, auf eine kritische Einschätzung Köppels aus ebenjenem Editorial hingewiesen werden. Er schreibt darin etwa:
"(...) Abgesehen davon liegt der Ethiker in der Sache falsch. Dass es den Eidgenossen in Steuerfragen an Unrechtsbewusstsein mangle, hat damit zu tun, dass erstens Steuerhinterziehung nach Schweizer Recht kein Unrecht darstellt und dass sich die Schweiz zweitens bisher an alle von der EU gewünschten Steuerabkommen gehalten hat. Es mag also durchaus sein, dass es den Schweizern weniger an Unrechtsbewusstsein fehlt als dem Wirtschaftsethiker an einem Gespür für die Rechtsordnung, in der er sich bewegt.
(...) Die Wirtschaftsethik ist ein junges, hochpolitisches Fach, mit dem sich vor allem an deutschsprachigen Universitäten die als «neoliberal» verschrienen Ökonomen ein linkes Feigenblatt zulegten. Um Opposition abzubremsen, begann man systemkritische Wirtschaftsfakultäten einzurichten, die seit Mitte der achtziger Jahre «Gier» und «Unmoral» der Manager beklagen. Als typischer Vertreter seiner Zunft fühlt sich auch Thielemann von der Ahnung bewegt, «dass da irgendetwas falsch ist mit dem Markt». Er habe eine «ethisch begründungsfähige Sicht (statt eine ideologisch verkürzte oder beschönigende) auf das Wirtschaften» werfen wollen. Seinen Homepage-Eintragungen lässt sich entnehmen, dass sich die Wirtschaftsführer von fragwürdigen Motivationen leiten lassen und «ethisch verantwortungsvolle Unternehmen» im Wettbewerb «die Dummen» sind, als ob es nicht genügend Beispiele gäbe von Enron bis Bernie Madoff, dass sich unehrliches Geschäften am Ende gerade nicht lohnt."
Diese berechtigen Einwände bedenkend, fand letzten Sonntag ein interessantes Gespräch zwischen dem linksliberalen Publizisten Roger de Weck und Peter Ulrich in der 'Sternstunde Philosophie' - der besten Sendung des gebührenfinanzierten Schweizer Fernsehens - statt. Sie unterhielten sich über Werte und Moral in der Ökonomie.
Nachfolgend das Gespräch, das einige interessante und durchaus auch zustimmungspflichtige Voten beinhaltet:
Allerdings mag man als Anhänger eines liberalen Wirtschaftssystems die kärgliche Bezugnahme im Gespräch auf Adam Smith und seine Moralphilosophie bedauern. Köppel schreibt in seinem Editorial nicht zu Unrecht:
"Die Wirtschaftsethik ist allerdings ein schlechter Ratgeber. Sie geht von einem Missverständnis aus. Die grossen Vordenker der Marktwirtschaft dachten in «Ordnungen». Sie gingen der Frage nach, wie erfolgreiche Gesellschaften organisiert sind und warum Staaten, die eine freie Preisbildung, Rechtssicherheit und privates Eigentum zulassen, ein höheres Wohlstandsniveau erreichen als Gesellschaften, die ihr Wirtschaftsleben staatlicher Planung und Kontrolle unterwerfen. Die alten Schotten wie Adam Smith oder David Hume nannten sich «Moralphilosophen», weil sie sich nicht kleinkariert bei moralischen Verfehlungen im wirtschaftlichen Alltag aufhielten, sondern das übergeordnete Problem behandelten, wie erfolgreiche Lebenszusammenhänge beschaffen sein müssen.
Für sie gab es die Entgegensetzungen der Wirtschaftsethiker nicht. Die Marktwirtschaft war für sie ein ethisches System, das seinen Teilnehmern bestimmte Fähigkeiten, Regeln und Orientierungen sowohl abverlangt wie auch aufzwingt. Marktgesellschaften sind kein Dschungel ohne Moral. Im Gegenteil: In ihnen verwirklichen sich entscheidende Forderungen des westlichen Wertekatalogs: Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, aber auch Empathie, die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihren Bedürfnissen zu entsprechen. Indem jeder seine eigenen Interessen verfolgt, wird das Gesamtwohl befördert, ohne dass es eine koordinierende Behörde braucht. Absturzgefahr lässt sich als Berufsrisiko einer freien Lebensführung nie vollständig bannen. Die Marktgesellschaft ist nicht, wie Thielemann und Kollegen immer behaupten, ein Instrument zur Entfesselung des gierigen Ego. Der Markt ist eine moralische Anstalt, in der sich der Eigennutz zur wechselseitigen Dienstleistung zivilisiert.
Natürlich geisselten auch Smith und Hume blinde Geldgier und unehrliche Geschäfte, aber sie waren Realisten genug, um solche Entgleisungen als ewige Möglichkeiten der Conditio humana zu ertragen. Wer sie politisch beseitigen möchte, ruft nur noch grösseres Unheil hervor. Die einzige «Ethik», die Smith und Hume wohl anerkannt hätten, wäre die Selbstbeschränkung der Politik auf ein paar klar umgrenzte Zuständigkeiten gewesen, auf eine Rolle, die das freie Kräftespiel nicht behindert. Die thielemannsche «Ethisierung der Wirtschaft» durch die Politik hätten sie als das empfunden, was sie ist: eine gegen die Freiheit gerichtete Aufrüstung des Staates, die mehr Wohlstand vernichtet, als sie zu schaffen vorgibt."
Summa summarum: Entgegen der Auffassung einiger, dass der Wirtschaftsethik kein Platz im wissenschaftlichen Betrieb einzuräumen sei, bin ich der Ansicht, dass sie durchaus ihren akademischen Daseinszweck hat. Sie sollte sich allerdings auf das Wesentliche beschränken, wie dies etwa im Leserbrief "Ethik und Moral" skizziert worden ist: das Nachdenken über Moral (Ethik) und nicht das Nachdenken über geltende Werte und Regeln (Moral). In diesem Lichte betrachtet und unter dem Eindruck der kritischen Einschätzungen Köppels sollte sich eine Wirtschaftsethik, wie dies Peter Ulrich im Gespräch mit de Weck sehr wohl macht (wenn er etwa die bürgerliche Gesellschaft analysiert oder vom "Geburtsfehler" der sozialen Marktwirtschaft spricht: "Dieser Geburtsfehler besteht darin, dass der Sozialstaat ex post - im Nachinein - die Symptome, die durch das markwirtschaftliche Kräftespiel verursacht sind, bloss lindert, kompensiert, korrigiert - der Reparaturbetrieb. An den Ursachen hat man nichts geändert."), mehr mit den Grundsatzfragen der Ökonomie befassen als mit den moralinsauren Ausdünstungen rudimentär-ökonomischer Betätigungsfelder, wie dies bei Thielemann manchmal der Fall zu sein scheint.
In diesen bewegten Zeiten, in denen in den Leserbriefspalten der Zeitungen und in Diskussionsrunden der Politiker bisweilen ein Wirtschaftskrieg der Hochsteuerkartelle gegenüber steuerattraktiven Staaten und Jurisdiktionen vermutet wurde und wird, verlor auch das Institut für Wirtschaftsethik und mit ihm ebenfalls die Universität St.Gallen (HSG) an Glaubwürdigkeit. Harte Kritiker des Instituts für Wirtschaftsethik stellten gar die Daseinsberechtigung dieser Lehrstätte in Frage, da Moral keine Wissenschaft sei.
Nachfolgend einige Leserbriefe aus der 'Neuen Zürcher Zeitung' zum Thema, um die Stimmung einzufangen:
"Wissenschaftsfreiheit und Klugheit
Zu X Leserbrief über die Auseinandersetzungen um Ulrich Thielemann (NZZ 19. 5. 09) ist festzuhalten, dass die Meinungsäusserungsfreiheit in einem liberalen Staat den gleichen Stellenwert hat wie viele andere Freiheiten, zum Beispiel das Bankkundengeheimnis. Wer freiheitlich denkt, wägt die eine Freiheit nicht gegen die andere auf.
Hingegen kann man nicht tolerieren, dass in einem Wirtschaftskrieg, wie er gegenwärtig herrscht, ein Wissenschafter in der Machtzentrale des politischen Feindes sein Gastland verunglimpft und mit seinen Äusserungen schädigt. Der Kluge würde eine solche Einladung nicht annehmen, sondern seine Meinung eher im Rahmen eines akademischen Kolloquiums zum Besten geben. Hier geht es nicht um Meinungsfreiheit, denn diese hat der Wissenschafter überall, ausser in diesem spezifischen Zeitfenster in den höchsten politischen Gremien des feindlich gesinnten Landes."
"Der Ethik einen Platz
Der Autor C. W. meint, dass Ulrich Thielemann die Freiheit, die er als Wissenschafter benötigt, mit seinen Äusserungen bei einem Bundestags-Hearing nicht missbraucht habe. Ich habe Herrn Thielemann am 31. März im «Talk täglich» von Tele Züri gesehen. Dort benahm er sich nicht wie ein Wissenschafter, sondern wie ein sich ereifernder Prediger, wie man sie aus Amerika kennt, und auf Gegenargumente ging er schon gar nicht ein. Wenn Herr Thielemann ein Wissenschafter wäre, hätte ihm das heutige aufgeheizte Klima Zurückhaltung in seinen Äusserungen nahelegen müssen. Insofern hat er keine Freiheit. Für den Kavalleristen und Indianerjäger Steinbrück ist Herr Thielemann natürlich ein Glücksfall, da er sozusagen als «Maulwurf in Feindesland» agiert.
Weiter stimmt der Vergleich mit dem Professor und Banken-Kritiker Jean Ziegler nicht. Dieser profilierte sich in wirtschaftlich guten Zeiten und wurde wegen verschiedener «Irrtümer» ohnehin nicht ernst genommen. Ein Herr Thielemann scheint mir in der gegenwärtigen Situation um ein Vielfaches problematischer zu sein."
Es gab neben den 2 besorgten Leserbriefen aber auch Stimmen, die den Wissenschafter in Schutz nahmen - namentlich und wenig überraschend aus sozialdemokratischen Kreisen:
"Nach einem Referat zur Bankenkrise fragte mich kürzlich ein älterer Herr aus dem Publikum, wo denn eigentlich in der Schweiz die Ethik noch bleibe. Ich antwortete, dass Ethik in Politik, Medien und Wirtschaft leider verdrängt werde. Mit Freude verwies ich jedoch auf die interessanten Publikationen des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen (HSG) und auf die wichtigen Arbeiten der Ethiker in den beiden Landeskirchen.
Kurz darauf ging das unglaubliche Kesseltreiben gegen Ulrich Thielemann los. Ausgerechnet aus den neoliberalen Kreisen, welche die volle Verantwortung für den heutigen globalen GAU mitzutragen haben. 2003 veröffentlichten Ulrich Thielemann und Professor Peter Ulrich den hervorragenden «Brennpunkt Bankenethik». Hätten unsere Grossbankiers die Erkenntnisse dieser Publikation ernst genommen, so hätten sie nicht beim Staat um Steuermilliarden in noch nicht absehbarem Ausmass betteln müssen.
Darum: Die Schweiz braucht mehr Ethik, insbesondere der Finanzplatz Schweiz. Wehren wir den Anfängen!
Margret Kiener Nellen (Bern)
Nationalrätin, SP"
Als Konklusion eignet sich ein Leserbrief, der die Thematik aus einer grundsätzlichen Perspektive beleuchtet:
"Ethik und Moral
Die Äusserungen des Ethikers Thielemann haben einige Leser der NZZ (16. 4. 09) irritiert. Früher wurden klare Kategorien unterschieden: «Ethik» war Moralphilosophie, Nachdenken über Moral; «Moral» hingegen bezeichnete ein Set geltender Werte und Regeln. Nun lassen einige Vertreter der Ethikzunft die beiden Begriffe zusammenfallen und schaffen damit just ab, wofür der Steuerzahler sie bezahlt: das Nachdenken über Moral.
Ein Leser macht Ulrich Thielemann als Eiferer aus. Und ich habe mich gefragt, ob wir es bei einer Ethik, die Moralphilosophie und Moral nicht mehr auseinanderhält, überhaupt noch mit Wissenschaft zu tun haben. Massen sich nun sogenannte Ethiker in absolutistischer Manier an, die einzig richtige Moral zu haben? Leider wird auch im Sozial- und Rechtsbereich betont, dass, was man tut, nichts mit Moral zu tun habe. Auch hier dient das Schlagwort «Ethik» dazu, professionelle Positions- und Erwerbsinteressen durchzusetzen.
Was, wenn wir zur Unterscheidung von Ethik und Moral zurückkehrten? In der Disziplin «Moralphilosophie» könnte wieder über Moral auf beiden Ebenen nachgedacht werden: Auf der Ebene der Gesellschaften wären die spezifischen Moralitäten zu reflektieren, wie sie sich in der Weltwirtschaft aufgrund der ungleichen Machtverhältnisse und Ressourcen konkretisieren; auf der Ebene der Individuen wäre über die Unterschiede in der personalen Moral nachzudenken, die sich kontextspezifisch ausbilden.
Ein Urteil über Moralität hätte dann die Ressourcen in Rechnung zu stellen, über die eine Gesellschaft verfügt, um das hochzuhalten, was in den global so unterschiedlichen Kontexten jeweils als das Gute gilt. Das Moralisieren hingegen liesse diese Komplikationen in der Aussenwelt unberücksichtigt, weil es nur den Schwarzweisskategorien der eigenen Innenwelt genügen will. Und die Ethik könnte die Frage stellen: Was heisst es für unsere Gesellschaft, wenn sie sich ihre Moralität zunehmend von professionellen und kapitalisierbaren Interessen bestimmen und usurpieren lässt? Werden wir Menschen damit als Privatpersonen aus der Moral entlassen? Das gäbe zwar mehr Arbeit für jene, die sich mit Moralisieren ihr Geld verdienen, dürfte aber immer weniger zum gelingenden Zusammenleben beitragen."
Diese Fragen scheinen mir zuvörderst diskutabel zu sein. Thielemanns Äusserungen jedenfalls erscheinen vor diesem Hintergrund problematisch. Auch sind bei ihm oftmals die Grenzen zwischen Wissenschaft und Wissenschaftsimitation fliessend. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass seine Wissenschaft manchmal sogar mit Ideologie durchsetzt ist. Eine solche Ethik bzw. Moral aber muss sich den Vorwurf gefallen lassen, interessengeleitet zu sein.
Ins eher negative Bild, dass das Institut für Wirtschaftsethik ferner in gewissen Teilen der Öffentlichkeit abgab, fügte sich ein, dass Thielemann ein potentieller Nachfolger vom Lehrstuhlinhaber, Prof. Dr. Peter Ulrich, ist, der erst kürzlich seine Abschiedsvorlesung gehalten hat und also in den Ruhestand treten wird. Für die ausgeschriebene Professur will sich pikanterweise auch Christoph Blocher bewerben.
Entgegen der Linie des Instituts, das vorwiegend über Markt und Moral nachdenkt, möchte Blocher, seineszeichen ein Anhänger von Friedrich August von Hayek (dem dieses Blog wohl gewogen ist), eher die wohlfahrtsfördernden Merkmale des Marktes herauskehren. Er möchte lehren, "wie man ethisch führt." Oder ebenfalls "was die ethische Bedeutung der Gewinnerzielung und des Shareholder-Value" sei.
Nun wäre mir ein Wirtschaftsethiker Blocher, der in Fragen der politischen Ökonomie, bis auf einige Gebiete (z.B. Landwirtschaft), mehrheitlich eine urliberale Haltung vertritt, tatsächlich lieber als ein Wirtschaftsethiker Thielemann, der sich gemäss einem sehr lesenswerten Editorial von Roger Köppel in der 'Weltwoche' mit seiner Arbeit eher dazu eignen würde, sich für einen "krisenfesten Kommandoposten in der staatlich gelenkten Wirtschaft" zu empfehlen.
Um die Frage zu diskutieren, ob die Wirtschaftsethik, wie sie etwa von Ulrich Thielemann verstanden wird, eine sinnvolle wissenschaftliche Disziplin sei oder nicht, soll, bevor ein der Wirtschaftsethik wohl gewogener und zugleich auch sehr interessanter Beitrag im Fokus steht, auf eine kritische Einschätzung Köppels aus ebenjenem Editorial hingewiesen werden. Er schreibt darin etwa:
"(...) Abgesehen davon liegt der Ethiker in der Sache falsch. Dass es den Eidgenossen in Steuerfragen an Unrechtsbewusstsein mangle, hat damit zu tun, dass erstens Steuerhinterziehung nach Schweizer Recht kein Unrecht darstellt und dass sich die Schweiz zweitens bisher an alle von der EU gewünschten Steuerabkommen gehalten hat. Es mag also durchaus sein, dass es den Schweizern weniger an Unrechtsbewusstsein fehlt als dem Wirtschaftsethiker an einem Gespür für die Rechtsordnung, in der er sich bewegt.
(...) Die Wirtschaftsethik ist ein junges, hochpolitisches Fach, mit dem sich vor allem an deutschsprachigen Universitäten die als «neoliberal» verschrienen Ökonomen ein linkes Feigenblatt zulegten. Um Opposition abzubremsen, begann man systemkritische Wirtschaftsfakultäten einzurichten, die seit Mitte der achtziger Jahre «Gier» und «Unmoral» der Manager beklagen. Als typischer Vertreter seiner Zunft fühlt sich auch Thielemann von der Ahnung bewegt, «dass da irgendetwas falsch ist mit dem Markt». Er habe eine «ethisch begründungsfähige Sicht (statt eine ideologisch verkürzte oder beschönigende) auf das Wirtschaften» werfen wollen. Seinen Homepage-Eintragungen lässt sich entnehmen, dass sich die Wirtschaftsführer von fragwürdigen Motivationen leiten lassen und «ethisch verantwortungsvolle Unternehmen» im Wettbewerb «die Dummen» sind, als ob es nicht genügend Beispiele gäbe von Enron bis Bernie Madoff, dass sich unehrliches Geschäften am Ende gerade nicht lohnt."
Diese berechtigen Einwände bedenkend, fand letzten Sonntag ein interessantes Gespräch zwischen dem linksliberalen Publizisten Roger de Weck und Peter Ulrich in der 'Sternstunde Philosophie' - der besten Sendung des gebührenfinanzierten Schweizer Fernsehens - statt. Sie unterhielten sich über Werte und Moral in der Ökonomie.
Nachfolgend das Gespräch, das einige interessante und durchaus auch zustimmungspflichtige Voten beinhaltet:
Allerdings mag man als Anhänger eines liberalen Wirtschaftssystems die kärgliche Bezugnahme im Gespräch auf Adam Smith und seine Moralphilosophie bedauern. Köppel schreibt in seinem Editorial nicht zu Unrecht:
"Die Wirtschaftsethik ist allerdings ein schlechter Ratgeber. Sie geht von einem Missverständnis aus. Die grossen Vordenker der Marktwirtschaft dachten in «Ordnungen». Sie gingen der Frage nach, wie erfolgreiche Gesellschaften organisiert sind und warum Staaten, die eine freie Preisbildung, Rechtssicherheit und privates Eigentum zulassen, ein höheres Wohlstandsniveau erreichen als Gesellschaften, die ihr Wirtschaftsleben staatlicher Planung und Kontrolle unterwerfen. Die alten Schotten wie Adam Smith oder David Hume nannten sich «Moralphilosophen», weil sie sich nicht kleinkariert bei moralischen Verfehlungen im wirtschaftlichen Alltag aufhielten, sondern das übergeordnete Problem behandelten, wie erfolgreiche Lebenszusammenhänge beschaffen sein müssen.
Für sie gab es die Entgegensetzungen der Wirtschaftsethiker nicht. Die Marktwirtschaft war für sie ein ethisches System, das seinen Teilnehmern bestimmte Fähigkeiten, Regeln und Orientierungen sowohl abverlangt wie auch aufzwingt. Marktgesellschaften sind kein Dschungel ohne Moral. Im Gegenteil: In ihnen verwirklichen sich entscheidende Forderungen des westlichen Wertekatalogs: Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, aber auch Empathie, die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihren Bedürfnissen zu entsprechen. Indem jeder seine eigenen Interessen verfolgt, wird das Gesamtwohl befördert, ohne dass es eine koordinierende Behörde braucht. Absturzgefahr lässt sich als Berufsrisiko einer freien Lebensführung nie vollständig bannen. Die Marktgesellschaft ist nicht, wie Thielemann und Kollegen immer behaupten, ein Instrument zur Entfesselung des gierigen Ego. Der Markt ist eine moralische Anstalt, in der sich der Eigennutz zur wechselseitigen Dienstleistung zivilisiert.
Natürlich geisselten auch Smith und Hume blinde Geldgier und unehrliche Geschäfte, aber sie waren Realisten genug, um solche Entgleisungen als ewige Möglichkeiten der Conditio humana zu ertragen. Wer sie politisch beseitigen möchte, ruft nur noch grösseres Unheil hervor. Die einzige «Ethik», die Smith und Hume wohl anerkannt hätten, wäre die Selbstbeschränkung der Politik auf ein paar klar umgrenzte Zuständigkeiten gewesen, auf eine Rolle, die das freie Kräftespiel nicht behindert. Die thielemannsche «Ethisierung der Wirtschaft» durch die Politik hätten sie als das empfunden, was sie ist: eine gegen die Freiheit gerichtete Aufrüstung des Staates, die mehr Wohlstand vernichtet, als sie zu schaffen vorgibt."
Summa summarum: Entgegen der Auffassung einiger, dass der Wirtschaftsethik kein Platz im wissenschaftlichen Betrieb einzuräumen sei, bin ich der Ansicht, dass sie durchaus ihren akademischen Daseinszweck hat. Sie sollte sich allerdings auf das Wesentliche beschränken, wie dies etwa im Leserbrief "Ethik und Moral" skizziert worden ist: das Nachdenken über Moral (Ethik) und nicht das Nachdenken über geltende Werte und Regeln (Moral). In diesem Lichte betrachtet und unter dem Eindruck der kritischen Einschätzungen Köppels sollte sich eine Wirtschaftsethik, wie dies Peter Ulrich im Gespräch mit de Weck sehr wohl macht (wenn er etwa die bürgerliche Gesellschaft analysiert oder vom "Geburtsfehler" der sozialen Marktwirtschaft spricht: "Dieser Geburtsfehler besteht darin, dass der Sozialstaat ex post - im Nachinein - die Symptome, die durch das markwirtschaftliche Kräftespiel verursacht sind, bloss lindert, kompensiert, korrigiert - der Reparaturbetrieb. An den Ursachen hat man nichts geändert."), mehr mit den Grundsatzfragen der Ökonomie befassen als mit den moralinsauren Ausdünstungen rudimentär-ökonomischer Betätigungsfelder, wie dies bei Thielemann manchmal der Fall zu sein scheint.
Sonntag, 7. Juni 2009
Freitag, 5. Juni 2009
Obama in Kairo
Die unglaublich naive 'Grundsatzrede' Barack Obamas an die muslimische Welt wird in den Medien abgefeiert, als ob Obama die Region gerade befriedet (schliesslich gibt es neben dem "Israel-Palästina-Konflikt" noch einige andere Brandherde in der muslimischen Welt (Darfur etwa, oder Pakistan, Somalia etc.)), die islamistischen Terroristen gerade bekehrt und die Gleichheit der Frauen in den islamfaschistischen Schariastaaten gerade eingeführt hätte.
Zum Glück gibt es meinen neuen Lieblingsblogger Joachim Nikolaus Steinhöfel, der sich der zwar nett klingenden, inhaltlich aber problematischen, weil kulturrelativistischen, Rede Obamas kritisch angenommen hat (es gab freilich auch einige Passagen, die durchaus Unterstützung verdienen).
In den Medien und auf der arabischen Strasse ist nun die Rede davon, dass Obamas Worte allein nicht ausreichen würden, dass jetzt Taten folgen müssten. Doch was für Taten sind da wohl gemeint? Applaus brandete an der Universität von Kairo auf, wenn Obama von Israel Entgegenkommen forderte (oder wenn er, um sich bei der offenbar nicht sehr säkularen, sondern im Islam verankerten Zuhörerschaft beliebt zu machen, aus dem "Holy Koran" zitierte) - forderte er ein Entgegenkommen aber von den Palästinensern, hielt sich die Begeisterung im Publikum doch arg in Grenzen. Solche Taten, die von Israel alles und von den Palästinensern nichts verlangen würden, können jedenfalls kein gangbarer Weg sein.
Zudem sei noch einmal in Erinnerung gerufen, dass bereits mehrfach die Gelegenheit für die Palästinenser bestanden hätte, ihren eigenen souveränen Staat zu erhalten. Zuletzt im Jahr 2000. Diese Gelegenheit wurde aber, wie alle anderen zuvor, von den Palästinensern verpasst. Es folgten die als 2. Intifada bezeichneten Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten und mit ihnen auch der schwindende Glaube einiger Israeli an den Friedenswillen einiger Palästinenser.
So sehr ich auch ein Anhänger einer 2-Staaten-Lösung bin, die auch von Israel Kompromisse abverlangen würde, so sehr scheint eben genau jene Lösung nicht wirklich im Sinne der Palästinenser zu sein, obwohl doch die ganze Welt sie stets als einzigen gangbaren Weg skizziert. An dieser Stelle sei in diesem Zusammenhang auf zwei lesenswerte Text hingewiesen, auf einen Artikel aus dem 'Boston Globe' und auf einen vom Top-Blog 'Spirit of Entebbe'.
Im ersten Text heisst es z.B.:
"International consensus or no, the two-state solution is a chimera. Peace will not be achieved by granting sovereignty to the Palestinians, because Palestinian sovereignty has never been the Arabs' goal. Time and time again, a two-state solution has been proposed. Time and time again, the Arabs have turned it down.
(...)
At Camp David in 2000, Ehud Barak offered the Palestinians virtually everything they claimed to be seeking - a sovereign state with its capital in East Jerusalem, 97 percent of the West Bank and Gaza Strip, tens of billions of dollars in "compensation" for the plight of Palestinian refugees. Yasser Arafat refused the offer, and launched the bloodiest wave of terrorism in Israel's history."
Jetzt, wo Demokratie, Freiheit und Menschenrechte vom Präsidenten des mächtigsten Landes der Welt - und als solcher ist er quasi der Hüter der unveräusserlichen Minimalstandards des freien Zusammenlebens der Menschen ohne Unterdrückung und Zwänge weltweit - von den arabischen und muslimischen Despoten nicht mehr verlangt wird - wie etwa noch unter dem die Freiheit der Menschen notfalls auch mit Waffengewalt erkämpfenden Neocon Bush -, kann der Islam und seine vielfach doch arg rückständige Ideologie ungestört vor sich hin wuchern, ohne dass ihm jemand mit unbequemen und störenden Forderungen wie 'Demokratie', 'Menschenrechte' oder auch 'Gleichheit' ins Werk pfuschen will.
Zum Schluss mache ich auf eine Einschätzung des Neocon Charles Krauthammer zur Rede Obamas in Kairo aufmerksam, auf die ich via den oben verlinkten Beitrag von Joachim Nikolaus Steinhöfel aufmerksam wurde:
Zum Glück gibt es meinen neuen Lieblingsblogger Joachim Nikolaus Steinhöfel, der sich der zwar nett klingenden, inhaltlich aber problematischen, weil kulturrelativistischen, Rede Obamas kritisch angenommen hat (es gab freilich auch einige Passagen, die durchaus Unterstützung verdienen).
In den Medien und auf der arabischen Strasse ist nun die Rede davon, dass Obamas Worte allein nicht ausreichen würden, dass jetzt Taten folgen müssten. Doch was für Taten sind da wohl gemeint? Applaus brandete an der Universität von Kairo auf, wenn Obama von Israel Entgegenkommen forderte (oder wenn er, um sich bei der offenbar nicht sehr säkularen, sondern im Islam verankerten Zuhörerschaft beliebt zu machen, aus dem "Holy Koran" zitierte) - forderte er ein Entgegenkommen aber von den Palästinensern, hielt sich die Begeisterung im Publikum doch arg in Grenzen. Solche Taten, die von Israel alles und von den Palästinensern nichts verlangen würden, können jedenfalls kein gangbarer Weg sein.
Zudem sei noch einmal in Erinnerung gerufen, dass bereits mehrfach die Gelegenheit für die Palästinenser bestanden hätte, ihren eigenen souveränen Staat zu erhalten. Zuletzt im Jahr 2000. Diese Gelegenheit wurde aber, wie alle anderen zuvor, von den Palästinensern verpasst. Es folgten die als 2. Intifada bezeichneten Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten und mit ihnen auch der schwindende Glaube einiger Israeli an den Friedenswillen einiger Palästinenser.
So sehr ich auch ein Anhänger einer 2-Staaten-Lösung bin, die auch von Israel Kompromisse abverlangen würde, so sehr scheint eben genau jene Lösung nicht wirklich im Sinne der Palästinenser zu sein, obwohl doch die ganze Welt sie stets als einzigen gangbaren Weg skizziert. An dieser Stelle sei in diesem Zusammenhang auf zwei lesenswerte Text hingewiesen, auf einen Artikel aus dem 'Boston Globe' und auf einen vom Top-Blog 'Spirit of Entebbe'.
Im ersten Text heisst es z.B.:
"International consensus or no, the two-state solution is a chimera. Peace will not be achieved by granting sovereignty to the Palestinians, because Palestinian sovereignty has never been the Arabs' goal. Time and time again, a two-state solution has been proposed. Time and time again, the Arabs have turned it down.
(...)
At Camp David in 2000, Ehud Barak offered the Palestinians virtually everything they claimed to be seeking - a sovereign state with its capital in East Jerusalem, 97 percent of the West Bank and Gaza Strip, tens of billions of dollars in "compensation" for the plight of Palestinian refugees. Yasser Arafat refused the offer, and launched the bloodiest wave of terrorism in Israel's history."
Jetzt, wo Demokratie, Freiheit und Menschenrechte vom Präsidenten des mächtigsten Landes der Welt - und als solcher ist er quasi der Hüter der unveräusserlichen Minimalstandards des freien Zusammenlebens der Menschen ohne Unterdrückung und Zwänge weltweit - von den arabischen und muslimischen Despoten nicht mehr verlangt wird - wie etwa noch unter dem die Freiheit der Menschen notfalls auch mit Waffengewalt erkämpfenden Neocon Bush -, kann der Islam und seine vielfach doch arg rückständige Ideologie ungestört vor sich hin wuchern, ohne dass ihm jemand mit unbequemen und störenden Forderungen wie 'Demokratie', 'Menschenrechte' oder auch 'Gleichheit' ins Werk pfuschen will.
Zum Schluss mache ich auf eine Einschätzung des Neocon Charles Krauthammer zur Rede Obamas in Kairo aufmerksam, auf die ich via den oben verlinkten Beitrag von Joachim Nikolaus Steinhöfel aufmerksam wurde:
Mittwoch, 3. Juni 2009
Köstlich - Michael Moores 'Visionen'
Michal Moore scheint Überkapazitäten zu haben: So arbeitet er nicht nur an einem neuen und sicherlich tollen und wichtigen Film zur Wirtschaftskrise, sondern er denkt auch, ganz der Visionär, über die Rettung der amerikanischen Industrie- und Autoikone General Motors nach. Statt dass Präsident Obama dieser Tage auf "Entschuldigungs- und Selbstbezichtigungstour in den Nahen Osten" gehen und "in Kairo eine Rede an die Islamische Welt, in Fortsetzung der stümperhaften Neujahrsansprache an den Iran" (Joachim Nikolaus Steinhöfel) halten würde, setzte er sich besser umgehend mit diesen 'visionären' und politisch sicherlich machbaren und finanzierbaren Ideen Moores auseinander..
Das Gruselkabinett im 'Club'
SF DRS, das gebührenfinanzierte Staatsfernsehen, strahlt jeweils dienstags um 22.20 Uhr eine Diskussionsrunde mit dem Namen 'Club' aus. Die Sendung thematisiert jeweils Fragen, die andernorts schon längst abgefrühstückt worden sind. Roger Köppel schrieb in seinem Editorial vor kurzem über den 'Tages-Anzeiger' einmal Folgendes:
"Interessant war die erschreckte Reaktion des Zürcher Tages-Anzeigers, noch immer ein verlässlicher Seismograf, wenn es um die freudlose Früherkennung gleichheitswidriger Postulate geht."
Dem 'Club' kann man diese Früherkennungsfähigkeiten nun wirklich nicht attestieren. In Sachen Kritik an "gleichheitswidrigen Postulaten" allerdings ist er beinahe der verlängerte televisionäre Arm des 'Tagis'.
So stand gestern also das Thema "Die Krise, gierige Banker, verlorene Werte" auf der Agenda - sicherlich weiterhin ein brisantes Thema und über welches noch zu sprechen sein wird, das aber dennoch bereits millionenfach - und meist sehr vereinfachend - überall durchdiskutiert worden ist. Leutschenbach wird sich aber gedacht haben, dass die geladene Runde - u.a. elder statesmen, eine ehemalige Verwaltungsrätin der CS und mit Walter Wittmann, der im Ruhestand offenbar zunehmend die Öffentlichkeit sucht, gar ein emeritierter Professor - für gute Einschaltquoten sorgen würde. Schliesslich repräsentieren die geladenen Gäste ja nicht die 'gierige' Klasse der heutigen Banker, die 'uns' in den Schlamassel gerissen haben, sondern diejenige der oft als verantwortungsbewusst bezeichneten Citoyens, Patrons und Bankiers. Die Gäste konnten sich ihres moralischen Kredits beim Fernsehpublikum wohl sicher sein.
Für seine Verhältnisse fasst der 'Tages-Anzeiger' die mehrheitlich populistischen und eher verklärenden Wortbeiträge des Gruselkabinetts erstaunlich satirisch zusammen.
"Interessant war die erschreckte Reaktion des Zürcher Tages-Anzeigers, noch immer ein verlässlicher Seismograf, wenn es um die freudlose Früherkennung gleichheitswidriger Postulate geht."
Dem 'Club' kann man diese Früherkennungsfähigkeiten nun wirklich nicht attestieren. In Sachen Kritik an "gleichheitswidrigen Postulaten" allerdings ist er beinahe der verlängerte televisionäre Arm des 'Tagis'.
So stand gestern also das Thema "Die Krise, gierige Banker, verlorene Werte" auf der Agenda - sicherlich weiterhin ein brisantes Thema und über welches noch zu sprechen sein wird, das aber dennoch bereits millionenfach - und meist sehr vereinfachend - überall durchdiskutiert worden ist. Leutschenbach wird sich aber gedacht haben, dass die geladene Runde - u.a. elder statesmen, eine ehemalige Verwaltungsrätin der CS und mit Walter Wittmann, der im Ruhestand offenbar zunehmend die Öffentlichkeit sucht, gar ein emeritierter Professor - für gute Einschaltquoten sorgen würde. Schliesslich repräsentieren die geladenen Gäste ja nicht die 'gierige' Klasse der heutigen Banker, die 'uns' in den Schlamassel gerissen haben, sondern diejenige der oft als verantwortungsbewusst bezeichneten Citoyens, Patrons und Bankiers. Die Gäste konnten sich ihres moralischen Kredits beim Fernsehpublikum wohl sicher sein.
Für seine Verhältnisse fasst der 'Tages-Anzeiger' die mehrheitlich populistischen und eher verklärenden Wortbeiträge des Gruselkabinetts erstaunlich satirisch zusammen.
Dienstag, 2. Juni 2009
Wasser predigen und Wein trinken
Ausgerechnet die profillose CVP, die sich in der Krise auch schon als 'kapitalismuskritische' und also auch bankenkritische Volkspartei gerierte, indem sie etwa eine Abkehr vom "Neoliberalismus" forderte, besteht als einzige der (3 bürgerlichen) Bundesratsparteien auf den zugesicherten Parteispenden von der UBS. Diese Heuchelei - die vordergründige Kapitalismuskritik für Arme und die hintergründige Aufrechterhaltung alter informeller Netzwerke - macht die Partei, die darüber hinaus nach wie vor nicht so recht zu wissen scheint, ob sie sich nun zur politischen Linken oder zur bürgerlichen Mitte zählen will, nicht unbedingt glaubwürdiger.
Wie sagt man im Volksmund?
Wasser predigen und Wein trinken. Der CVP-Parteipräsident macht es gleich selbst vor:
Verglichen mit diesem etwas volkstümlich und populistisch anmutenden Sprichwort gefällt mir im Zusammenhang mit dem komplexen Getränk Wein ein anderes doch wesentlich besser: In vino veritas.
Und dieses Bonmot stünde der CVP in der Parteispendenfrage sicherlich besser an. Denn schliesslich gilt wohl auch bei der CVP: Pecunia non olet.
Wie sagt man im Volksmund?
Wasser predigen und Wein trinken. Der CVP-Parteipräsident macht es gleich selbst vor:
Verglichen mit diesem etwas volkstümlich und populistisch anmutenden Sprichwort gefällt mir im Zusammenhang mit dem komplexen Getränk Wein ein anderes doch wesentlich besser: In vino veritas. Und dieses Bonmot stünde der CVP in der Parteispendenfrage sicherlich besser an. Denn schliesslich gilt wohl auch bei der CVP: Pecunia non olet.
Montag, 1. Juni 2009
Prof. em. Dr. rer. pol.
Manche Professoren, seien sie emeritiert oder noch immer öffiziös im Dienste ihrer Alma Mater, partizipieren gelegentlich an öffentlichen Debatten und bringen dabei sich und ihr wissenschaftliches Renommé in die Diskussionen ein, die, wie dies in parlamentarischen Demokratien die Regel ist, oftmals via die Medien vermittelt werden. Die dabei manchmal entstehende Furcht des nach Öffentlichkeit strebenden Wissenschafters, dass das öffentliche Publikum seine Beiträge vielleicht mit Unverständnis aufnehmen könnte, treibt oftmals seltsame Blüten. Das in langen Jahren akribisch angeeignete professorale Wissen soll schliesslich möglichst verständlich in einem breiten Resonanzraum gestreut werden, um dem Ziel, sich selber und seine Positionen anzupreisen, Genüge zu tun. Ein gerüttelt Mass an populärwissenschaftlichen Abziehbildern von den gemeinhin als graue Theorie geltenden wissenschaftlichen Erkenntnissen vermag dabei das Publikum oftmals anzusprechen.
So hat sich etwa Walter Wittmann, der emeritierte und durchaus okaye Ökonomieprofessor der Universität Freiburg, im gestrigen 'Sonntagsblick' zur Finanz- und Wirtschaftskrise geäussert. Die im Interview mit dem Staatsfetischisten Werner Vontobel gegebenen Antworten scheinen sich dabei durchaus an die Klientel des linksliberalen Boulevard-Blattes zu adressieren. Ohne seine wissenschaftliche Kompetenz in Frage stellen zu wollen, übt sich Herr Prof. em. Dr. rer. pol. Wittmann dennoch in komplexitätsreduzierenden Analysen und Vorschlägen zu Ursprung und Bewältigung der Krise. So sagt er etwa: "Es reicht eben nicht immer, die Lage rein ökonomisch zu analysieren und zu zerreden. Manchmal muss man sich auch einfach empören!" Dabei hat er doch erst kürzlich in einer Rubrik des 'Magazins' verlauten lassen, was er alles nicht möge:
"Was ich nicht mag
Populisten.
Massenveranstaltungen.
Schönschwätzer.
Scheinheilige.
Moralisten.
Zwang zum Konsens."
Es scheint fast so, als ob er sich bei der Massenveranstaltung, die der 'Sonntagsblick' jeweils Wochenende für Wochenende veranstaltet, allzu sehr in der Pose der ihm eigentlich nicht genehmen Rollen - etwa der eines Populisten oder eines Moralisten - gefallen würde, indem er stimmungsvoll und inbrünstig in den Chor der momentan Oberwasser spürenden Keynesianer einstimmt und er also freiwillig dem "Zwang zum Konsens" beipflichtet.
Vielleicht sei ihm ein Beitrag Silvio Borners, eines anderen und noch lehrenden Ökonomieprofessors an der Universität Basel, in der aktuellen 'Weltwoche' empfohlen ("Verlorene Unschuld"). Borner schreibt etwa:
"Wirtschaftskrisen erschüttern die Wirtschaftswissenschaften. Die durchaus löbliche Absicht, die nächste Krise zu vermeiden, kann jedoch zu neuen Fehlern führen. Drei Beispiele:
(...)
In Krisenzeiten treibt die Regulierung jedoch ihre schönsten Blüten. Eines Tages wird die Angst wieder der Euphorie weichen und neue Übertreibungen inszenieren. Diese können freilich gerade nicht auf Vorrat wegreguliert werden, weil neue Spekulationsblasen nicht voraussehbar sind. Wenn diese sich abzuzeichnen beginnen, ändert sich das Risikoverhalten so dramatisch, dass die Finanzakteure wie eindringendes Wasser trotz angeblich wasserdichter Regulierungen wieder neue Ritzen finden.
Der Ökonom und Nobelpreisträger Robert Merton stellte die richtige Frage: «What drives financial innovation?» Er gab die richtige Antwort gleich selber: «Taxes and regulations.» Jede Regulierung hat unvorhersehbare und nicht beabsichtigte Konsequenzen. Wer damit nicht leben kann, muss politisch sämtliche Eventualitäten derart zumauern, dass jede Innovation erstickt. Mit verheerenden Konsequenzen für unseren Wohlstand, der ohne die Entwicklung hochkomplexer und innovativer, aber auch hochvolatiler Finanzmärkte unvorstellbar wäre."
Nun ficht dies Wittmann zwar noch nicht wirklich an - aber später schreibt Borner weiter:
"Weil die private Nachfrage fehle und Kapazitäten ungenutzt blieben, könne der Staat ohne volkswirtschaftliche Kosten seine Ausgaben ausdehnen. Keynes stellte staatliche Programme bildlich so dar, dass eine Gruppe von Arbeitern Löcher gräbt, die von einer anderen Gruppe wieder zugeschüttet werden. Selbst wenn dies direkt unproduktiv sei, werde diese Politik über den Einkommens-Multiplikator indirekt «produktiv». Ein positiver Kapazitäts- oder Angebotseffekt ist in dieser Situation der Unterbeschäftigung und Unterauslastung nicht gefragt.
Wie Friedman bei der Inflation übersehen Keynes und seine Nachbeter die wirtschaftspolitische Dimension. Um im Bild zu bleiben: Die aufgefüllten Löcher von Keynes müssen schliesslich nochmals saniert werden, weil sie durch interessenpolitischen Giftmüll verseucht sind. Dieser besteht in falschen Strukturen und Technologien, die in der Krise ohne Rücksicht auf Verluste an zukünftiger Produktivität politisch «verlocht» werden. Für alle, die für mehr Staatsausgaben «weibeln», ist die Krise die Chance, alles Mögliche zu subventionieren. Diese interessengetriebene Ausgabenflut hat negative Folgen für die Erholung und das Wachstum, weil die Folgekosten der Schulden wie der Fehlinvestitionen die Zukunft belasten. Der Kapazitätseffekt ist nicht mehr wie bei Keynes gleich null, sondern negativ! Eine Erkenntnis der politischen Ökonomie, die vom traditionellen Keynesianismus ausgeblendet wird."
Zwischen Prof. em. Dr. rer. pol. Walter Wittmann aus Freiburg und Prof. Dr. rer. pol. Silvio Borner aus Basel mag in der zur Zeit öffentlich breit verhandelten Forderung nach staatlichen Konjunkturprogrammen zur Stimulierung der Wirtschaft ein inhaltlicher Dissens bestehen - im Bedürfnis nach breiter öffentlicher Publizität gleichen sie sich dann aber doch noch. Auf der einen Seite wird das linksliberale und linkspopulistische boulevardeske Lager bedient ('Sonntagsblick'), auf der anderen das marktwirtschaftliche, anarcho-liberale und bisweilen auch rechtspopulistische Lager ('Weltwoche').
So hat sich etwa Walter Wittmann, der emeritierte und durchaus okaye Ökonomieprofessor der Universität Freiburg, im gestrigen 'Sonntagsblick' zur Finanz- und Wirtschaftskrise geäussert. Die im Interview mit dem Staatsfetischisten Werner Vontobel gegebenen Antworten scheinen sich dabei durchaus an die Klientel des linksliberalen Boulevard-Blattes zu adressieren. Ohne seine wissenschaftliche Kompetenz in Frage stellen zu wollen, übt sich Herr Prof. em. Dr. rer. pol. Wittmann dennoch in komplexitätsreduzierenden Analysen und Vorschlägen zu Ursprung und Bewältigung der Krise. So sagt er etwa: "Es reicht eben nicht immer, die Lage rein ökonomisch zu analysieren und zu zerreden. Manchmal muss man sich auch einfach empören!" Dabei hat er doch erst kürzlich in einer Rubrik des 'Magazins' verlauten lassen, was er alles nicht möge:
"Was ich nicht mag
Populisten.
Massenveranstaltungen.
Schönschwätzer.
Scheinheilige.
Moralisten.
Zwang zum Konsens."
Es scheint fast so, als ob er sich bei der Massenveranstaltung, die der 'Sonntagsblick' jeweils Wochenende für Wochenende veranstaltet, allzu sehr in der Pose der ihm eigentlich nicht genehmen Rollen - etwa der eines Populisten oder eines Moralisten - gefallen würde, indem er stimmungsvoll und inbrünstig in den Chor der momentan Oberwasser spürenden Keynesianer einstimmt und er also freiwillig dem "Zwang zum Konsens" beipflichtet.
Vielleicht sei ihm ein Beitrag Silvio Borners, eines anderen und noch lehrenden Ökonomieprofessors an der Universität Basel, in der aktuellen 'Weltwoche' empfohlen ("Verlorene Unschuld"). Borner schreibt etwa:
"Wirtschaftskrisen erschüttern die Wirtschaftswissenschaften. Die durchaus löbliche Absicht, die nächste Krise zu vermeiden, kann jedoch zu neuen Fehlern führen. Drei Beispiele:
(...)
In Krisenzeiten treibt die Regulierung jedoch ihre schönsten Blüten. Eines Tages wird die Angst wieder der Euphorie weichen und neue Übertreibungen inszenieren. Diese können freilich gerade nicht auf Vorrat wegreguliert werden, weil neue Spekulationsblasen nicht voraussehbar sind. Wenn diese sich abzuzeichnen beginnen, ändert sich das Risikoverhalten so dramatisch, dass die Finanzakteure wie eindringendes Wasser trotz angeblich wasserdichter Regulierungen wieder neue Ritzen finden.
Der Ökonom und Nobelpreisträger Robert Merton stellte die richtige Frage: «What drives financial innovation?» Er gab die richtige Antwort gleich selber: «Taxes and regulations.» Jede Regulierung hat unvorhersehbare und nicht beabsichtigte Konsequenzen. Wer damit nicht leben kann, muss politisch sämtliche Eventualitäten derart zumauern, dass jede Innovation erstickt. Mit verheerenden Konsequenzen für unseren Wohlstand, der ohne die Entwicklung hochkomplexer und innovativer, aber auch hochvolatiler Finanzmärkte unvorstellbar wäre."
Nun ficht dies Wittmann zwar noch nicht wirklich an - aber später schreibt Borner weiter:
"Weil die private Nachfrage fehle und Kapazitäten ungenutzt blieben, könne der Staat ohne volkswirtschaftliche Kosten seine Ausgaben ausdehnen. Keynes stellte staatliche Programme bildlich so dar, dass eine Gruppe von Arbeitern Löcher gräbt, die von einer anderen Gruppe wieder zugeschüttet werden. Selbst wenn dies direkt unproduktiv sei, werde diese Politik über den Einkommens-Multiplikator indirekt «produktiv». Ein positiver Kapazitäts- oder Angebotseffekt ist in dieser Situation der Unterbeschäftigung und Unterauslastung nicht gefragt.
Wie Friedman bei der Inflation übersehen Keynes und seine Nachbeter die wirtschaftspolitische Dimension. Um im Bild zu bleiben: Die aufgefüllten Löcher von Keynes müssen schliesslich nochmals saniert werden, weil sie durch interessenpolitischen Giftmüll verseucht sind. Dieser besteht in falschen Strukturen und Technologien, die in der Krise ohne Rücksicht auf Verluste an zukünftiger Produktivität politisch «verlocht» werden. Für alle, die für mehr Staatsausgaben «weibeln», ist die Krise die Chance, alles Mögliche zu subventionieren. Diese interessengetriebene Ausgabenflut hat negative Folgen für die Erholung und das Wachstum, weil die Folgekosten der Schulden wie der Fehlinvestitionen die Zukunft belasten. Der Kapazitätseffekt ist nicht mehr wie bei Keynes gleich null, sondern negativ! Eine Erkenntnis der politischen Ökonomie, die vom traditionellen Keynesianismus ausgeblendet wird."
Zwischen Prof. em. Dr. rer. pol. Walter Wittmann aus Freiburg und Prof. Dr. rer. pol. Silvio Borner aus Basel mag in der zur Zeit öffentlich breit verhandelten Forderung nach staatlichen Konjunkturprogrammen zur Stimulierung der Wirtschaft ein inhaltlicher Dissens bestehen - im Bedürfnis nach breiter öffentlicher Publizität gleichen sie sich dann aber doch noch. Auf der einen Seite wird das linksliberale und linkspopulistische boulevardeske Lager bedient ('Sonntagsblick'), auf der anderen das marktwirtschaftliche, anarcho-liberale und bisweilen auch rechtspopulistische Lager ('Weltwoche').
Samstag, 30. Mai 2009
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