Klar, die Pet Shop Boys sind ja nun mal in den einschlägigen Kreisen - etwa bei den "musikliebenden Linksdenkenden" (Zitat aus den 'Freiburger Nachrichten' vom 12. Februar 2010 über das Konzert von Jochen Distelmeyer im Bad Bonn vom 9. Februar 2010), bei den Poplinken der Musik- und Popkulturzeitschriften 'Spex', 'Intro' oder auch 'De:Bug' (wobei es von einer poplinken Haltung zu einer bauchlinken Ideologie oftmals nicht mehr weit ist) aber auch bis in weite Teile des popkulturellen Mainstreams weitherum Konsens und so. Die Pet Shop Boys mögen also die Elektropopmusik seit Jahren revolutioniert haben, doch mein ganz persönliches Erweckungserlebnis mit den Herren Neil Tennant und Chris Lowe fand allerdings tatsächlich erst am 31.12.2009 mit 'Yes', der im letzten Jahr veröffentlichten Platte der Pet Shop Boys, statt. An diesem Datum flog ich von Zürich nach Los Angeles in den Urlaub. Da das Unterhaltungssystem in den Swiss-Maschinen offenbar suboptimal zu sein scheint, hörte ich mich halt durch die Bordmusik. Und da war auf einmal 'Yes'. Also hörte ich es. Und es war gut so.
Später erstand ich dann auf dem Sunset Strip in Hollywood im Amoeba Records, dem weltgrössten Independent-Plattenladen, der politisch mit dem anderen, dem Obama-Amerika sympathisiert, aus dem schier grenzenlosen Katalog an Tonträgern, nebst ein paar Minimal-Tonträgern, die Pet Shop Boys-Platte 'Yes'. Und es war gut so.
'Yes' sollte mich dann auf meinem Kurzurlaub in Los Angeles begleiten. Los Angeles - dieser Melting Pot von verschiedensten Menschen, die auf der Suche nach Geld, Ruhm, Glück und Liebe sind und von verschiedensten Kulturen, die in Los Angeles unnachahmlich zu dem zusammenwachsen, was die Vereinigsten Staaten von Amerika nun mal sind: eine multikulturelle und pluralistische Gesellschaft der Freien und Gleichen - E pluribus unum. Mein Song des Jahres 2009 - 'Love etc.' - reflektiert nun popig und kritisch zugleich diese Zeit - eine Zeit des Hinundhergerissensseins zwischen den Polen des Glückes und des Scheiterns, des Materialismus und des Idealismus, des Rausches und der Klarheit, der USA und Old Europe, der befreienden Qualitäten des Kapitalismus und der Sehnsucht nach der klassen- und staatenlosen Weltgesellschaft der Freien und Gleichen:
Mein zweitliebster Song des Jahres 2009 stammt ebenfalls von 'Yes' - 'More than a dream':
Sonntag, 21. Februar 2010
Sonntag, 7. Februar 2010
Wirtschaftspopulismus und Protonationalismus
Thomas Minder - Initiant der sog. 'Abzocker-Initiative', die im linkspopulistischen Juste Milieu (SP und Grüne Partei) auf viel Zustimmung zählen kann - in einem Interview, das ihn als den wirtschaftspopulistischen und protonationalistischen Eiferer zeigt, der er ist. Seine Anliegen - Aktionärsmacht statt Verwaltungsratsmacht sowie die schollenverbundene Forderung, es müssten mehr Schweizer in die Führungsstrukturen von hiesigen Unternehmen eingebunden werden - sind an reaktionären Ressentiments kaum mehr zu überbieten. Seine Initiative läuft auf eine regressive und nationalistischte Stufe kapitalistischer Warenproduktion hinaus - kein Wunder also, dass die schweizerischen Linkspopulisten (SP und Grüne) diese Initiative gut finden.
Der vom Populist Minder im Interview angesprochene Nicolas G. Hayek spielt da schon in einer anderen Liga. Selbst vor Populismus und Komplexitätsreduktion zuweilen nicht gefeit, ist Nicolas G. Hayek immerhin ein wirklich erfolgreicher Unternehmer, der von Zeit zu Zeit über die engen Grenzen der kapitalistischen Warenproduktion hinaus zu denken vermag - freilich nicht unbedingt in einem emanzipatorischen, sondern in einem affirmativen Sinne. Aber das ist vor dem Hintergrund der dumm-schweizerischen 'Abzocker-Initiative' und den kläglichen Versuchen einer materialistischen Analyse und Kritik des Kapitalismus der Linkspopulisten (SP und Grüne) bisweilen durchaus unterhaltsam und reflektiert, wie das folgende Gespräch von der 'NZZ' mit dem "liebevollen Rebellen" (Eigenaussage von Nicolas G. Hayek) zeigt:
Der vom Populist Minder im Interview angesprochene Nicolas G. Hayek spielt da schon in einer anderen Liga. Selbst vor Populismus und Komplexitätsreduktion zuweilen nicht gefeit, ist Nicolas G. Hayek immerhin ein wirklich erfolgreicher Unternehmer, der von Zeit zu Zeit über die engen Grenzen der kapitalistischen Warenproduktion hinaus zu denken vermag - freilich nicht unbedingt in einem emanzipatorischen, sondern in einem affirmativen Sinne. Aber das ist vor dem Hintergrund der dumm-schweizerischen 'Abzocker-Initiative' und den kläglichen Versuchen einer materialistischen Analyse und Kritik des Kapitalismus der Linkspopulisten (SP und Grüne) bisweilen durchaus unterhaltsam und reflektiert, wie das folgende Gespräch von der 'NZZ' mit dem "liebevollen Rebellen" (Eigenaussage von Nicolas G. Hayek) zeigt:
Sonntag, 31. Januar 2010
"Wie extrem sind Schweizer Islamisten?"
Der 'Blick' fragt sich in einem Artikel, "wie extrem Schweizer Islamisten" - insbesondere diejenigen vom Islamischen Zentralrat Schweiz - seien.
Die Antwort fällt vor dem Hintergrund der bekannten islamistischen Ideologie - u.a. und insb. antizionistisch-antisemitische Ressentiments und jihadistische Mordbrennerei - wenig überraschend aus.
Die Antwort fällt vor dem Hintergrund der bekannten islamistischen Ideologie - u.a. und insb. antizionistisch-antisemitische Ressentiments und jihadistische Mordbrennerei - wenig überraschend aus.
Donnerstag, 21. Januar 2010
Der Furor des Antisemitismus vor dem Hintergrund des tragischen Erdbebens in Haiti
What an asshole:
"The same people [Anmerkung des Autors: die Israelis] now today have the goal to attack our people. To attack me. I expect them to attack me. The truth hurts, doesn't it? But I am going to keep on telling the truth. Because you are doing wrong. You do the Palestinians wrong. You are doing wrong in Africa. You are wrong with the blood diamonds. And you are wrong with many, many other strategic minerals of Africa."
"The same people [Anmerkung des Autors: die Israelis] now today have the goal to attack our people. To attack me. I expect them to attack me. The truth hurts, doesn't it? But I am going to keep on telling the truth. Because you are doing wrong. You do the Palestinians wrong. You are doing wrong in Africa. You are wrong with the blood diamonds. And you are wrong with many, many other strategic minerals of Africa."
Montag, 18. Januar 2010
Same old song
Frage des 'Tages-Anzeigers': "Die Offensive der Israeli vor einem Jahr hat das Leid der Palästinenser zweifellos verstärkt. Hat man in ihrem Lager auch Verständnis für die Situation der Angreifer?"
Antwort der 'Aktivistin': "Dieser Aspekt wurde, zumindest an den Treffen, an denen ich teilnahm, nicht thematisiert." (Link)
Obwohl, wie es sich eigentlich ziemen würde, mit dem Begriff "Angreifer" nicht die Hamas und andere islamfaschistische Terrororganisationen gemeint sind, sondern der demokratische Rechtsstaat Israel, der mit der Militäroperation 'Cast Lead' auf die jahrelangen Raketenangriffe aus dem Gazastreifen reagierte, ist die Antwort der 'israelkritisch' beseelten 'Aktivistin' doch recht entwaffnend: Die unhaltbaren Zustände, denen Israel fortgesetzt ausgeliefert war, wird bei diesem Pack in der Beurteilung des Gaza-Krieges rundweg ausgeblendet. Egal, was der Jud' macht oder unterlässt – ob er also den Gazastreifen unilateral räumt, jahrelange Raketen- und Granatenangriffe mehr oder weniger folgenlos hinnimmt oder etwa auch noch die Hamas im Dezember 2008 mit Nachdruck vor einem Krieg warnt – am "Leid der Palästinenser" ist sowieso einzig und alleine der Jud' schuld – als ob die Palästinenser nicht als eigenständige Subjekte in dieser 'Konflikt' genannten antisemitischen Raserei handeln würden und für ihre Situation, die, verglichen mit anderen arabischen Staaten, dank den grosszügigen Mitteln der Uno und der EU so schlecht nicht einmal ist, nicht zu massgeblichen Teilen selbst verantwortlich wären. Konsequenterweise wird dem Jud' von diesem Pack ein Recht auf Selbstverteidigung selbstredend nicht zugestanden.
Erbaulich scheint mir aber der Umstand zu sein, dass die Resonanz, die dieses Gespräch im notorisch 'israelkritischen' 'Tages-Anzeiger' ausgelöst hat, wohl nicht diejenige ist, die sich die notorisch 'israelkritischen' Redakteure des 'Tages-Anzeigers' erhofft haben dürften. Die Antisemitismus-Ratio in den Kommentaren ist im 'Tages-Anzeiger' auf erstaunliche 36 Prozent gesunken ('nur' 9 von 25 Kommentaren sind im unverkennbar 'israelkritischen' Duktus geschrieben). Teilweise hat es sogar recht gute Kommentare, welche die 'Aktion' von diesem friedensvolksgemeinschaftlichen Pack angemessen zu denunzieren wissen.
Gut, dass ein Teil der Leserschaft offenbar endlich die ewig gleiche mediale 'Tages-Anzeiger'-Hetze gegen Israel durchschaut und sie entsprechend kritisiert.
Antwort der 'Aktivistin': "Dieser Aspekt wurde, zumindest an den Treffen, an denen ich teilnahm, nicht thematisiert." (Link)
Obwohl, wie es sich eigentlich ziemen würde, mit dem Begriff "Angreifer" nicht die Hamas und andere islamfaschistische Terrororganisationen gemeint sind, sondern der demokratische Rechtsstaat Israel, der mit der Militäroperation 'Cast Lead' auf die jahrelangen Raketenangriffe aus dem Gazastreifen reagierte, ist die Antwort der 'israelkritisch' beseelten 'Aktivistin' doch recht entwaffnend: Die unhaltbaren Zustände, denen Israel fortgesetzt ausgeliefert war, wird bei diesem Pack in der Beurteilung des Gaza-Krieges rundweg ausgeblendet. Egal, was der Jud' macht oder unterlässt – ob er also den Gazastreifen unilateral räumt, jahrelange Raketen- und Granatenangriffe mehr oder weniger folgenlos hinnimmt oder etwa auch noch die Hamas im Dezember 2008 mit Nachdruck vor einem Krieg warnt – am "Leid der Palästinenser" ist sowieso einzig und alleine der Jud' schuld – als ob die Palästinenser nicht als eigenständige Subjekte in dieser 'Konflikt' genannten antisemitischen Raserei handeln würden und für ihre Situation, die, verglichen mit anderen arabischen Staaten, dank den grosszügigen Mitteln der Uno und der EU so schlecht nicht einmal ist, nicht zu massgeblichen Teilen selbst verantwortlich wären. Konsequenterweise wird dem Jud' von diesem Pack ein Recht auf Selbstverteidigung selbstredend nicht zugestanden.
Erbaulich scheint mir aber der Umstand zu sein, dass die Resonanz, die dieses Gespräch im notorisch 'israelkritischen' 'Tages-Anzeiger' ausgelöst hat, wohl nicht diejenige ist, die sich die notorisch 'israelkritischen' Redakteure des 'Tages-Anzeigers' erhofft haben dürften. Die Antisemitismus-Ratio in den Kommentaren ist im 'Tages-Anzeiger' auf erstaunliche 36 Prozent gesunken ('nur' 9 von 25 Kommentaren sind im unverkennbar 'israelkritischen' Duktus geschrieben). Teilweise hat es sogar recht gute Kommentare, welche die 'Aktion' von diesem friedensvolksgemeinschaftlichen Pack angemessen zu denunzieren wissen.
Gut, dass ein Teil der Leserschaft offenbar endlich die ewig gleiche mediale 'Tages-Anzeiger'-Hetze gegen Israel durchschaut und sie entsprechend kritisiert.
Dienstag, 5. Januar 2010
On the waterfront Cafe
Ein paar Eindrücke vom Restaurant 'On the waterfront Cafe' in Venice Beach, das, wie man mir erzählte, von einer ausgewanderten Schweizerin betrieben wird. So überrascht es denn wohl auch kaum, dass dort auf der Speisekarte Gerichte wie "Bratwurst", "Zürcher Geschnetzeltes" sowie tatsächlich auch "Raclette" zu finden sind..
Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 20° Celsius warmen Temperaturen konsumierte ich am Strand von Venice Beach dann aber doch lieber Fish & Chips..
Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 20° Celsius warmen Temperaturen konsumierte ich am Strand von Venice Beach dann aber doch lieber Fish & Chips..
Sonntag, 3. Januar 2010
Das Jahrzehnt der US-amerikanischen TV-Serien
Spon widmet sich in einem durchaus lesenswerten Artikel dem Jahrzehnt der US-amerikanischen TV-Serien, welche die Kulturindustrie und die Popkultur mit manchen originellen Ideen geprägt haben. Die Emanzipation des Formats der TV-Serie von den früheren Verwertungsmechanismen des Fernsehens selbst hat es erlaubt, neue ästhethische und erzählerische Konzepte in den Unterhaltungsmarkt einzüführen.
Zitirieren wir zu diesem Behufe doch Gerhard Scheit:
"Während Becketts Endspiel die Deformationen vorführt, "die den Menschen von der Form ihrer Gesellschaft angetan werden" (Adorno), üben die US-Sitcoms durch die Deformationen hindurch, die sie affirmieren, zivilisatorische Standards ein, wie sie auf einer bestimmten Entwicklungsstufe kapitalistischer Warenproduktion jeweils möglich sind. Selbst diese Standards noch zu vergiften, gelingt vielleicht am wirkungsvollsten dem deutschen Tatort. Jedenfalls wäre die Kritik des Staats auf dem Gebiet der Kulturindustrie erst noch zu eröffnen." (Link)
Um diese Deformationen zu skizzieren, "die den Menschen von der Form ihrer Gesellschaft angetan werden" (Adorno), sei an dieser Stelle ebenfalls erwähnt, dass insbesondere in Old Europe die Form der US-amerikanischen Gesellschaft oftmals auf offene Ablehnung und schroffe Zurückweisung stösst. Das anti-amerikanische Ressentiment ist weit verbreitet, insbesondere auch im linken und popkulturellen Juste Milieu. Spon konstatiert daher zu Recht - wenn auch etwas simplifizierend - Folgendes:
"Dabei entbehrt es nicht einer feinen Ironie, dass in einer Dekade des populistischen, oft tumben Antiamerikanismus, der erst mit der Wahl Barack Obamas nachlassen sollte, gerade innovative Prime-Time-Programme aus den USA unsere Sehgewohnheiten nachhaltig veränderten."
Ein Produkt jener "zivilisatorischen Standards, wie sie auf einer bestimmten Entwicklungsstufe kapitalistischer Warenproduktion jeweils möglich sind", von denen Gerhard Scheit schreibt, ist zweifelsohne die Zeichentrickserie 'Family Guy', die mit dadaistisch zu nennemdem Humor die Verhältnisse besonders köstlich ad absurdum führt.
'Dexter', eine Krimiserie, ist ein weiterer Meilenstein des Formats der TV-Serien. Die Hauptfigur - der Serienmörder Dexter - ist trotz seines Blutdurstes und seiner Ambivalenz ("People fake a lot of human interactions, but I feel like I fake them all.") äusserst liebenswürdig. Oder wie es die 'Jungle World' schreibt:
"Irritierend ist nicht, dass hier ein auf den ersten Blick normaler Mensch lustvoll mordet, das gab es schon, sondern dass die Serie es schafft, uns einen Mörder als Sympathieträger anzudrehen, mit dem wir mitleiden und uns freuen, wenn er, obwohl er ab der zweiten Staffel die eigenen Kollegen und das FBI an den Hacken hat, immer wieder gerade noch einmal davonkommt."
Ganz unterhaltsam ist auch die Satireserie 'Californication' - eine Persiflage auf Hollywood. Die 'Jungle World' schreibt:
"Der Gegensatz zwischen New York als Ort mit Kultur, Style, Geist und dem Sündenpfuhl Los Angeles, wo die schlauen Bücher, die in Manhattan geschrieben, gelesen und debattiert werden, zu hirnlosem Hollywoodschrott verarbeitet werden, ist inzwischen Thema vieler US-Serien, von »Sex and the City« bis »Curb«. In keiner Serie aber wurde die »Kalifornisierung« der Kultur bisher in grelleren Farben ausgemalt als hier."
Larry David schliesslich brilliert mit 'Curb your Enthusiasm' zum wiederholten Male, nachdem er bereits bei 'Seinfeld' - der wohl besten TV-Serie der Welt - beteiligt gewesen ist. Wiederum die 'Jungle World':
"Man wird hier auf einem Niveau unterhalten, das für deutsche Fernsehverhältnisse so unvorstellbar hoch ist, dass es wohl kein Wunder ist, dass »Curb« in den USA zwar über mehrere Staffeln erfolgreich auf dem Bezahlsender HBO lief, sich hierzulande jedoch niemand für die Serie interessierte. »Curb« ist zu gut für das deutsche Fernsehen, man muss es wohl genau so schlicht sagen."
Oder auch:
"Was David auch anstellt, irgendwas läuft immer schrecklich schief. Was wohl auch daran liegt, dass unser Mann ein typisch jüdischer Ostküstenintellektueller ist, der aber nun mal nicht in New York lebt, sondern in Santa Monica bei Los Angeles. Ein Feingeist trifft hier also nicht auf ein ähnlich gelagertes, eher europäisch orientiertes Intellektuellen-Milieu, sondern auf dieses Kalifornien-Amerika der reinen Oberfläche, in dem sich David einerseits zwar auch wohl fühlt, andererseits aber auch wieder gar nicht."
'Veronica Mars', 'Sopranos', 'The Wire' und 'Deadwood' sind weitere grandiose Serien.
Alles in allem kann man also sagen, dass "Fernsehserien (...) das neue Kino" sind, "nur viel besser." (Link)
Zitirieren wir zu diesem Behufe doch Gerhard Scheit:
"Während Becketts Endspiel die Deformationen vorführt, "die den Menschen von der Form ihrer Gesellschaft angetan werden" (Adorno), üben die US-Sitcoms durch die Deformationen hindurch, die sie affirmieren, zivilisatorische Standards ein, wie sie auf einer bestimmten Entwicklungsstufe kapitalistischer Warenproduktion jeweils möglich sind. Selbst diese Standards noch zu vergiften, gelingt vielleicht am wirkungsvollsten dem deutschen Tatort. Jedenfalls wäre die Kritik des Staats auf dem Gebiet der Kulturindustrie erst noch zu eröffnen." (Link)
Um diese Deformationen zu skizzieren, "die den Menschen von der Form ihrer Gesellschaft angetan werden" (Adorno), sei an dieser Stelle ebenfalls erwähnt, dass insbesondere in Old Europe die Form der US-amerikanischen Gesellschaft oftmals auf offene Ablehnung und schroffe Zurückweisung stösst. Das anti-amerikanische Ressentiment ist weit verbreitet, insbesondere auch im linken und popkulturellen Juste Milieu. Spon konstatiert daher zu Recht - wenn auch etwas simplifizierend - Folgendes:
"Dabei entbehrt es nicht einer feinen Ironie, dass in einer Dekade des populistischen, oft tumben Antiamerikanismus, der erst mit der Wahl Barack Obamas nachlassen sollte, gerade innovative Prime-Time-Programme aus den USA unsere Sehgewohnheiten nachhaltig veränderten."
Ein Produkt jener "zivilisatorischen Standards, wie sie auf einer bestimmten Entwicklungsstufe kapitalistischer Warenproduktion jeweils möglich sind", von denen Gerhard Scheit schreibt, ist zweifelsohne die Zeichentrickserie 'Family Guy', die mit dadaistisch zu nennemdem Humor die Verhältnisse besonders köstlich ad absurdum führt.
'Dexter', eine Krimiserie, ist ein weiterer Meilenstein des Formats der TV-Serien. Die Hauptfigur - der Serienmörder Dexter - ist trotz seines Blutdurstes und seiner Ambivalenz ("People fake a lot of human interactions, but I feel like I fake them all.") äusserst liebenswürdig. Oder wie es die 'Jungle World' schreibt:
"Irritierend ist nicht, dass hier ein auf den ersten Blick normaler Mensch lustvoll mordet, das gab es schon, sondern dass die Serie es schafft, uns einen Mörder als Sympathieträger anzudrehen, mit dem wir mitleiden und uns freuen, wenn er, obwohl er ab der zweiten Staffel die eigenen Kollegen und das FBI an den Hacken hat, immer wieder gerade noch einmal davonkommt."
Ganz unterhaltsam ist auch die Satireserie 'Californication' - eine Persiflage auf Hollywood. Die 'Jungle World' schreibt:
"Der Gegensatz zwischen New York als Ort mit Kultur, Style, Geist und dem Sündenpfuhl Los Angeles, wo die schlauen Bücher, die in Manhattan geschrieben, gelesen und debattiert werden, zu hirnlosem Hollywoodschrott verarbeitet werden, ist inzwischen Thema vieler US-Serien, von »Sex and the City« bis »Curb«. In keiner Serie aber wurde die »Kalifornisierung« der Kultur bisher in grelleren Farben ausgemalt als hier."
Larry David schliesslich brilliert mit 'Curb your Enthusiasm' zum wiederholten Male, nachdem er bereits bei 'Seinfeld' - der wohl besten TV-Serie der Welt - beteiligt gewesen ist. Wiederum die 'Jungle World':
"Man wird hier auf einem Niveau unterhalten, das für deutsche Fernsehverhältnisse so unvorstellbar hoch ist, dass es wohl kein Wunder ist, dass »Curb« in den USA zwar über mehrere Staffeln erfolgreich auf dem Bezahlsender HBO lief, sich hierzulande jedoch niemand für die Serie interessierte. »Curb« ist zu gut für das deutsche Fernsehen, man muss es wohl genau so schlicht sagen."
Oder auch:
"Was David auch anstellt, irgendwas läuft immer schrecklich schief. Was wohl auch daran liegt, dass unser Mann ein typisch jüdischer Ostküstenintellektueller ist, der aber nun mal nicht in New York lebt, sondern in Santa Monica bei Los Angeles. Ein Feingeist trifft hier also nicht auf ein ähnlich gelagertes, eher europäisch orientiertes Intellektuellen-Milieu, sondern auf dieses Kalifornien-Amerika der reinen Oberfläche, in dem sich David einerseits zwar auch wohl fühlt, andererseits aber auch wieder gar nicht."
'Veronica Mars', 'Sopranos', 'The Wire' und 'Deadwood' sind weitere grandiose Serien.
Alles in allem kann man also sagen, dass "Fernsehserien (...) das neue Kino" sind, "nur viel besser." (Link)
Mittwoch, 30. Dezember 2009
Happy New Year!
Da ich morgen vor allem in Reiseflughöhe in das Land der Freien und Gleichen reisen werde, in die USA also (nach Los Angeles), sei allen Lesern dieses Blogs bereits jetzt ein gutes neues Jahr gewünscht!
Dienstag, 29. Dezember 2009
Ein Ex-Grüner spricht Klartext
"Am meisten stört er sich daran, wie sich die Mutterpartei bei Themen positionierte, die mit grünen Anliegen nichts zu tun hätten: «Die Grünen haben sich beispielsweise immer wieder dezidiert für die Anliegen der Palästinenser ausgesprochen», sagt Raffa. «Genauso gut hätten sie die terroristischen Handlungen der Hamas verurteilen können.» Die Einseitigkeit dieser Stellungnahmen befremde.", schreibt der 'Tagi' über Gerardo Raffa, Präsident der Obwaldner Sektion der Grünen, die aufgrund der "viel zu linken Ausrichtung der Grünen Schweiz" - deren "nationale Führung derart von linken Fundis geprägt ist" (Zitate: Gerardo Raffa) - bald wieder aufgelöst wird.
"Überraschungssieger löst seine Partei auf" (Link)
Die Kritik am grünen Antisemitismus, wie er etwa am prominentesten von Daniel Vischer, Joe Lang und Geri Müller in den Begriffen des Antizionismus und der sog. Israel'kritik' stets auf's Neue reproduziert wird, ist sehr zutreffend.
Hierzu noch einige Leser-Kommentare:
"Lieber Herr Leuenberger. Ihre Kritik an palästinensischen Gewaltakten - man kann dies durchaus auch Terroranschläge nennen - habe leider auch ich nie wahrgenommen. Und übrigens: wann waren die Grünen Schweiz denn mit Kerzen auf der Strasse zum Gedenken der zahlreichen Opfer islamischer Selbstmordattentäter in Somalia, Bali, Afghanistan, Pakistan und auch in Israel?"
"Die Spitze (der alten Männer und alten Frauen) der Grünen sind alles ehemalige Poch, Kommunisten, Maoisten und Stalinisten. Deshalb kommt die Grüne Partei auch nicht über 10%. Die Jungen echten Grünen sollten endlich die grün übermalten Altrotsocken absetzen."
"Herr Raffa scheint wirklich in der falschen Partei gewesen zu sein. Als Mitglied der Gesellschaft Schweiz-Israel passt er nicht in eine Partei, die einseitig gegen Israel hetzt."
"Besser spät als nie! Die Grünen sind in den letzten Jahren immer fundamentalistischer und antisemitischer geworden. Man erinnert sich an die antiisraelische Demo anfangs Jahr in Bern, mit Herrn Vischer. Ich würde vorschlagen, dass sich die Grünen mit der PNOS zusammentun, das ist ihr jetziges Niveau."
"Überraschungssieger löst seine Partei auf" (Link)
Die Kritik am grünen Antisemitismus, wie er etwa am prominentesten von Daniel Vischer, Joe Lang und Geri Müller in den Begriffen des Antizionismus und der sog. Israel'kritik' stets auf's Neue reproduziert wird, ist sehr zutreffend.
Hierzu noch einige Leser-Kommentare:
"Lieber Herr Leuenberger. Ihre Kritik an palästinensischen Gewaltakten - man kann dies durchaus auch Terroranschläge nennen - habe leider auch ich nie wahrgenommen. Und übrigens: wann waren die Grünen Schweiz denn mit Kerzen auf der Strasse zum Gedenken der zahlreichen Opfer islamischer Selbstmordattentäter in Somalia, Bali, Afghanistan, Pakistan und auch in Israel?"
"Die Spitze (der alten Männer und alten Frauen) der Grünen sind alles ehemalige Poch, Kommunisten, Maoisten und Stalinisten. Deshalb kommt die Grüne Partei auch nicht über 10%. Die Jungen echten Grünen sollten endlich die grün übermalten Altrotsocken absetzen."
"Herr Raffa scheint wirklich in der falschen Partei gewesen zu sein. Als Mitglied der Gesellschaft Schweiz-Israel passt er nicht in eine Partei, die einseitig gegen Israel hetzt."
"Besser spät als nie! Die Grünen sind in den letzten Jahren immer fundamentalistischer und antisemitischer geworden. Man erinnert sich an die antiisraelische Demo anfangs Jahr in Bern, mit Herrn Vischer. Ich würde vorschlagen, dass sich die Grünen mit der PNOS zusammentun, das ist ihr jetziges Niveau."
Montag, 28. Dezember 2009
Tod dem Diktator! Nieder mit den Mullahs!
Die Kombattanten der mutigen iranischen Protestbewegung, die dieser Tage unter Einsatz ihres Lebens wieder gegen das Mullah-Regime protestieren, bedürfen der Solidarität des Westens. Dieser, angeführt von dem auf Hawaii in den Ferien weilenden US- Präsidenten, versagt sie den mutigen Iranern und Iranerinnen bislang allerdings weitgehend. Diejenigen, die zuvörderst unter der islamischen Gesinnungsdiktatur zu leiden haben, erhoffen sich vom US-Präsidenten sicher eine deutlichere Unterstüzung ihres Anliegens: des Sturzes der klerikalen Faschisten. Des Präsidenten Antwort auf die blutigen Unterdrückungs- und Machstrukturen der Islamofaschisten ist indessen schwach: soft power, Dialog, ausgestreckte Hand, in einem Wort: Appeasement.
Obama setzt also weiterhin auf den 'Dialog', versucht sich also auf ganz und gar europäische Art und Weise im Appeasement. Das 'Dialog' genannte Appeasement hat allerdings allerspätestens seit dem gestrigen blutigen Tag jegliche - ohnehin nie wirklich vorhandene - Legitimität verloren.
Von Old Europe - inklusive der Schweiz - kann man in der Iran-Politik ohnehin nichts anderes erwarten als die fortgesetzte Kollaboration mit dem iranischen Regime; die USA allerdings täten gut daran, den Mullahs nun endlich - nach all dem vergossenen Blut, nach all den systematischen Menschenrechtsverletzungen, nach all den Vernichtungsdrohungen an die Adresse Israels, nach all den verstrichenen Ultimaten im Atomstreit - die Grenzen aufzuzeigen. Ein Sturz des islamischen Systems und ihrer Repräsentanten sollte daher von nun an in Washington - nebst den anderen Schwerpunkten (Irak und Afghanistan) - aussenpolitische Priorität haben.
Für das Jahr 2010 lautet die Devise daher folgerichtig: Tod dem Diktator! Nieder mit den Mullahs!
Obama setzt also weiterhin auf den 'Dialog', versucht sich also auf ganz und gar europäische Art und Weise im Appeasement. Das 'Dialog' genannte Appeasement hat allerdings allerspätestens seit dem gestrigen blutigen Tag jegliche - ohnehin nie wirklich vorhandene - Legitimität verloren.
Von Old Europe - inklusive der Schweiz - kann man in der Iran-Politik ohnehin nichts anderes erwarten als die fortgesetzte Kollaboration mit dem iranischen Regime; die USA allerdings täten gut daran, den Mullahs nun endlich - nach all dem vergossenen Blut, nach all den systematischen Menschenrechtsverletzungen, nach all den Vernichtungsdrohungen an die Adresse Israels, nach all den verstrichenen Ultimaten im Atomstreit - die Grenzen aufzuzeigen. Ein Sturz des islamischen Systems und ihrer Repräsentanten sollte daher von nun an in Washington - nebst den anderen Schwerpunkten (Irak und Afghanistan) - aussenpolitische Priorität haben.
Für das Jahr 2010 lautet die Devise daher folgerichtig: Tod dem Diktator! Nieder mit den Mullahs!
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